– Hitlers «Teehaus» am Obersalzberg niedergebrannt

Was ist passiert? Das von den Nationalsozialisten errichtete Kehlsteinhaus am Obersalzberg in Berchtesgaden ist in der Nacht zum Samstag durch ein Feuer weitgehend zerstört worden. Die Polizei hält Brandstiftung als Ursache für möglich. Eine Person wurde festgenommen.
Was weiss man über die festgenommene Person? Es handelt sich um einen Motorradfahrer, der den Einsatzkräften auf dem Weg zum Brandort entgegenkam, wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die aus der Region kommende Person sei verletzt worden. An einer Medienkonferenz hat die Staatsanwaltschaft Traunstein dann gesagt, dass der Festgenommene psychisch krank sei. Das habe ein psychiatrisches Kurzgutachten ergeben, das ein Sachverständiger über den 33 Jahre alten Deutschen erstellt habe, wie Staatsanwalt Rainer Vietze sagte.
Was ist das Motiv? Der Mann sei am Samstag einem Untersuchungsrichter in Rosenheim vorgeführt worden. Ziel sei, eine Unterbringung in einer forensischen Einrichtung für psychisch kranke Straftäter zu erwirken. Man müsse von zumindest verminderter Schuldfähigkeit ausgehen, sagte Vietze. Auch ein mögliches politisches Motiv werde geprüft – da seien die Ermittler aber erst ganz am Anfang.
Was ist der «Adlerhorst»? Das Kehlsteinhaus war in den 1930er Jahren von den Nationalsozialisten als Teil des von Adolf Hitler genutzten Komplexes am Obersalzberg erbaut worden und wird inzwischen als frei zugängliche Berggaststätte genutzt. International ist das Ausflugsziel auf 1834 Metern über Meer als «Eagles Nest» bekannt, was mit «Adlerhorst» übersetzt werden kann.
Der Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden schreibt auf seiner Seite über das Haus: «Erbaut 1937/38, sollte in der NS-Zeit das damals sogenannte Teehaus als politischer Repräsentationsort abseits der Öffentlichkeit dienen. Tatsächlich blieb die Bedeutung des Kehlsteinhauses gering.»
Adolf Hitler habe dort Diplomaten oder andere ausländische Gäste empfangen.
«Viel häufiger nutzte es die am Obersalzberg versammelte NS-Entourage zur Erholung und für private Feiern.»
Seit 1952 ist es eine Berggaststätte. Es wurde 1938 fertiggestellt und befand sich in einem abgeriegelten und für die Öffentlichkeit gesperrten Wohn- und Regierungsareal der nationalsozialistischen Führung. Eine Ausstellung dort widmet sich der Geschichte des Gebäudes.
Wie ist der Stand bei den Löscharbeiten? Die Löscharbeiten liefen am Samstagvormittag noch weiter. Laut einem Polizeibeamten brannte es am Morgen gegen 7 Uhr immer noch in der Berggaststätte. Die ersten Rettungskräfte waren nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd am Freitagabend um 21.52 Uhr eingetroffen und hatten einen Grossbrand festgestellt. Laut Polizeisprecherin Lisa Maier, waren rund 200 Einsatzkräfte im Einsatz. Die Anfahrt zum Kehlsteinhaus mit den Löschzügen gestaltete sich aber wegen der Lage des Gebäudes schwierig. Regen und Schneefall behinderten den Einsatz zusätzlich. Die Löschzüge mussten 700 Höhenmeter auf einer steilen Kehlsteinstrasse überwinden – ein Löschhelikopter konnte nicht eingesetzt werden. Der starke Wind machte den Einsatzkräften zusätzlich zu schaffen. Zudem könnten das nähere Umfeld der Gaststätte sowie das Gebäude selbst nur mit schwerer Atemschutzausstattung betreten werden.
Gibt es Verletzte? Nach bisherigen Erkenntnissen habe sich niemand im Kehlsteinhaus aufgehalten. Laut der Internetseite des Zweckverbandes Bergerlebnis Berchtesgaden sollte das Kehlsteinhaus in dieser Saison noch bis zum 8. November geöffnet sein. Am Freitag war das Lokal jedoch nicht geöffnet. Nach ersten Erkenntnissen von Polizei und Feuerwehr wurden keine Menschen verletzt. Allerdings konnte das Areal auch am Morgen nur mit schwerem Atemschutz betreten werden, was die Suche erschwerte.
Wie hoch ist der Sachschaden? Die Höhe des Sachschadens ist wegen der unklaren Situation am Brandort und auch der historischen Einordnung noch völlig unklar.
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