Artenvielfalt – Wenn Geissen den Wald mähen

Das Waldstück auf dem Eichberg in Saland ist steil. Von weitem sind einige der zwölf Geissen zu erkennen – sie weiden seit gut vier Wochen dort. An diesem Morgen holt sie ihr Besitzer, Landwirt Sepp Schuler, von der Waldweide zurück.
«Giz, giz!», ruft er, und raschelt mit einem Papiersack, in dem trockenes Brot steckt. Die Geissen kennen die Stimme von Sepp Schuler und sie meckern laut zurück. «Im Wald gibt es jetzt wegen der Trockenheit nicht mehr zu viel zu fressen», sagt er. «Und die Geissen haben ihn abgefressen.» Sie haben ihre Arbeit im Zürcher Tösstal für dieses Jahr abgeschlossen.
Sepp Schulers Geissen sind sozusagen als Landschaftspflegerinnen im Einsatz – im Auftrag der Naturschutzorganisation Pro Natura.
«Die Geissen drängen die Brombeeren und die jungen Bäume zurück», sagt Projektleiter Vincent Kraneis von Pro Natura. «Das Ziel ist, dass wir am Ende eine lichte Waldstruktur haben, wo viele Pflanzen und Insekten ihr Zuhause finden.»
Seit letztem Jahr weiden die Geissen von Sepp Schuler jeweils zweimal fünf Wochen lang am Eichberg – im Frühling und im Herbst. Und bereits jetzt ist erkennbar, was sie geleistet haben.
«Dieses Jahr zeigt sich noch deutlicher, was wir wollen», sagt Vincent Kraneis. «Kleine Bäume haben kaum noch Blätter und die Geissen haben auch die Knospen abgefressen.» Das hemmt das Wachstum im folgenden Jahr. Dadurch werde der Wald lichter und langfristig – in zehn bis fünfzehn Jahren – könnten sich Pflanzen ansiedeln, die viel Licht auf dem Waldboden brauchen. Ein Beitrag für mehr Biodiversität.
Waldweiden sind in der Schweiz selten
Wenn Menschen im Wald mit der Motorsense mähten, wird monoton gearbeitet, sagt Vincent Kraneis. Anders die Geissen: Diese hätten viele Möglichkeiten. «Sie fressen hier mal ein bisschen, da etwas oder dort – und sie lassen auch ein paar Grasbüschel stehen. Dort können Insekten überwintern.» Da die Geissen durch den Wald stapfen, entfernen sie so Humus und Blätter, oder sie treten Flächen frei. Dort können beispielsweise Wildbienen ihre Eier ablegen. Eine Waldweide wie diese im Tösstal ist selten. Denn seit rund 150 Jahren ist es in der Schweiz verboten, dass Nutztiere im Wald weiden.
Vor 150 Jahren wurden viele Wälder stark zurückgefressen. Junge Bäume hätten Mühe gehabt, nachzuwachsen, sagt Vincent Kraneis. Das Verbot sollte dem Walderhalt dienen. «Heute sehen wir, dass es wertvoll ist, wenn wir die Nutztiere gezielt im Wald einsetzen.» Deshalb hat der Kanton den Antrag von Pro Natura für die Waldweide im Tösstal bewilligt.
Und den zwölf Geissen gefällt es. Doch wegen der Trockenheit können sie es nun kaum erwarten, wieder auf einer saftigen grünen Wiese zu weiden. Landwirt Sepp Schuler sagt: «Die Geiss ist ein typischer Mischfresser. Sie mag Gras und Laub.» Im Wald gebe es zwar im Verhältnis mehr Laub als Gras. Er sehe aber nur Vorteile für die Geissen auf der Waldweide.
Wie die Geissen im Wald für Artenvielfalt sorgen
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Bild 1 von 8. Von weitem sind die Geissen kaum zu erkennen im Wald. Bildquelle: SRF/Elisabetta Antonelli.
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Bild 2 von 8. Kaum raschelt Landwirt Sepp Schuler mit dem Papiersack, eilen sie herbei. Bildquelle: SRF/Elisabetta Antonelli.
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Bild 3 von 8. Die Geissen warten, bis sie Richtung Tal laufen können. Bildquelle: SRF/Elisabetta Antonelli.
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Bild 4 von 8. Im Wald gab es wegen der Trockenheit nicht mehr viel zu fressen. Bildquelle: SRF/Elisabetta Antonelli.
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Bild 5 von 8. Über einen Korridor gelangen sie ins Tal und geniessen zunächst Gras und Kräuter auf der Wiese... Bildquelle: SRF/Elisabetta Antonelli.
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Bild 6 von 8. ...bevor sie in den Transporter stapfen. Bildquelle: SRF/Elisabetta Antonelli.
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Bild 7 von 8. Bald geht es los zum Bauernhof in Sternenberg. Bildquelle: SRF/Elisabetta Antonelli.
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Bild 8 von 8. Die Reise von der Waldweide in Saland nach Sternenberg dauert rund 15 Minuten. Bildquelle: SRF/Elisabetta Antonelli.
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«Die Geissen sind zufrieden – im Frühling konnte man sie fast nicht vom Eichberg zurückholen», sagt Sepp Schuler. «Dieses Mal ist das wegen der Trockenheit anders.» Auf sein «Giz, giz!» kraxeln die Geissen rasch zum Zaun am unteren Ende der Waldweide.
Dann schleust sie Sepp Schuler über einen neuen Zaun den Hang hinunter zum Transporter. Bevor die Geissen einsteigen und dann mit dem Traktor zum Bauernhof in Sternenberg gefahren werden, lässt er sie allerdings noch etwas im Grünen weiden. «Jetzt freuen sie sich bestimmt auf Fettgras.»
Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 21.09.2026, 17:30 Uhr ; ante;aegw;noes
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