Brände beim Parlament: Demonstrationen in Albanien eskalieren

- In Tirana haben Demonstrierende am Mittwoch Feuer im Bildungsministerium und vor Premier Edi Ramas Büro gelegt.
- Laut «Shekulli» brachen Protestierende die Tür zum Parlamentspräsidium auf, die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein.
- Am Vortag legten Demonstranten Feuer im Rathaus, 16 Menschen wurden festgenommen.
- Die EU-Vertretung zeigt sich besorgt über die «gewaltsame Eskalation» und fordert Beruhigung.
Bei gewaltsamen Protesten gegen die Regierung in Albanien haben Demonstranten am Mittwoch einen Brand im Bildungsministerium der Hauptstadt Tirana verursacht. Lokale Medien berichten zudem von Bränden in unmittelbarer Nähe zum Büro von Premierminister Edi Rama; demnach haben Demonstrierende Bäume vor dem Gebäude in Brand gesetzt.
Laut der Zeitung «Shekulli» versuchten mehrere Personen auch, die Eingangstür zum Parlamentspräsidium aufzubrechen. Dies gelang offenbar, die Protestierenden sollen im Anschluss auf der Treppe ein Feuer gelegt haben. Die Polizei griff gemäss der Zeitung zeitweise ein, musste sich dann aber zurückziehen müssen, weil sie von den Jugendlichen mit Steinen beworfen wurde. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Es war der zweite Tag schwerer Ausschreitungen in Folge.
Darum kommt es zu den Protesten
Hunderte Studenten und andere Regierungsgegner beteiligten sich an den Protesten für bessere Studienbedingungen und forderten den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama. Einige Demonstranten errichteten Barrikaden aus Absperrgittern und warfen Steine sowie Molotowcocktails.
Zwei Demonstranten kletterten nach Beobachtungen von AFP-Journalisten über eine Mauer des Bildungsministeriums und warfen Leuchtfackeln hinein. Wenig später quoll dichter schwarzer Rauch aus einem Fenster. Die Feuerwehr löschte den Brand rasch. In einer Bankfiliale schlugen Männer Fensterscheiben ein und zündeten Unterlagen an. Auch ein offenbar leerstehendes Gebäude stand in Flammen.
Feuer im Rathaus von Tirana gelegt
Bereits am Dienstag waren Demonstranten in das Rathaus von Tirana eingedrungen, hatten dort Feuer gelegt und weitere Gebäude beschädigt. Nach Angaben der Polizei wurden 16 Menschen festgenommen. Sechs Polizisten, acht Demonstranten, drei Journalisten und zwei Passanten mussten nach Angaben des Gesundheitsministeriums medizinisch versorgt werden.
Die EU-Vertretung in Tirana äusserte sich besorgt über die «gewaltsame Eskalation» und forderte alle Seiten zur Beruhigung auf. Hinweisen auf übermässige Polizeigewalt gegen Demonstranten und Journalisten müsse rasch nachgegangen werden, erklärte sie. Albanien ist EU-Beitrittskandidat, zu Wochenbeginn war ein weiteres Verhandlungskapitel vorläufig abgeschlossen worden.
Luxus-Projekt und Studienbedingungen: Darum ist Rama so stark unter Druck
In Albanien finden seit Ende Mai immer wieder Anti-Regierungs-Proteste statt. Auslöser waren Pläne für ein Luxus-Hotelprojekt in einem Küstennaturschutzgebiet, das mit der Tochter von US-Präsident Donald Trump, Ivanka Trump, und ihrem Ehemann Jared Kushner in Zusammenhang steht. Das Vorhaben löste Proteste gegen mutmassliche Korruption und mangelnde Transparenz aus. Studenten beklagen zudem hohe Studiengebühren und schlechte Bedingungen an den Universitäten.
Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.
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