Mama Veronica macht für Kimi Antonelli die Kleiderwahl

Der schnellste Lausbub
Mama Veronica macht für Kimi Antonelli die Kleiderwahl
Wer im Formel-1-Fahrlager kaum ein kritisches Wort über einen Rennfahrer hört, der weiss – die Rede ist von Kimi Antonelli (20). «Er ist ein Phänomen. Er hat von uns allen die neuen Regeln am besten verstanden und umgesetzt», lobt ihn sein Vorgänger Lando Norris (24).
Publiziert: vor 10 Minuten
Roger BenoitFormel-1-Experte
Ja, auch die meisten Fans sind vom jungen Italiener begeistert. Bei seinem sensationellen Monza-Triumph aus der letzten Startreihe schwangen die heissen Ferrari-Fans ihre Flaggen auch für den fremden Landsmann im Mercedes.
Und jetzt steht Antonelli auch in der WM ganz oben. «Er hat es verdient. Seine Art, Rennen zu fahren, ist einmalig. Hoffentlich dauert dies nicht noch ein paar Jahre», lachen Sir Lewis Hamilton (41) und Max Verstappen (29) gemeinsam.
Bearman hatte «Pech»
Die dritte Generation hat also brutal zugeschlagen. Nach vielen Erfolgen in der Formel 4 und dem schnellen Sprung 2024 zu Prema mit Teamkollege Oliver Bearman. Der nicht weniger schnelle Brite hatte das «Pech», in der Ferrari-Academy gefangen zu sein. Antonelli dagegen hatte sich vor knapp zehn Jahren bei den Roten aus Maranello gemeldet und wurde abgelehnt. Mercedes schlug sofort zu.
Bis jetzt hat das «Projekt Kimi» die Silberpfeile Millionen gekostet – noch selten war in der Formel 1 Geld besser angelegt. Und Chef Toto Wolff (54) kann sich zu Recht feiern lassen. Die Kritiker sind längst verstummt, der schnelle Crash in Monza beim ersten freien Training vergessen.
Wolff: «Hätte ich einen Hut, würde ich ihn jetzt vor Kimi ziehen. Er hat im ganzen Team eine Euphorie ausgelöst, wie ich sie noch nie erlebt habe. Danke.»
Das andere Problem für den Wiener: Er muss seinen zweiten Fahrer George Russell (28) wieder aus dem mentalen Tief holen. «Wir brauchen ein starkes Team für den wichtigen Titel der Konstrukteurs-WM.»
Vettel war drei Jahre älter
Vor einem Jahr hatte Russell den Rookie aus Bologna (wohnt jetzt in San Marino) in der Qualifikation mit 21:3 besiegt und in der WM mit 319:150 geschlagen. Jetzt sehen die Zahlen anders aus.
Rund 550 Tage nachdem Antonelli in einem VW Golf die Fahrprüfung bestanden hatte (Mutter Veronica musste ihn zum Termin fahren), steht er als jüngster Weltmeister nach Vettel fest. Der Deutsche war 2010 übrigens drei Jahre und vier Monate älter!
Was Antonelli so faszinierend macht: Er ist der Lausbub von früher geblieben, geht keiner Tortenschlacht im Team aus dem Weg. Er lässt sich ins Wasser schmeissen, die Rache ist den Sündern gewiss.
Die Mama pfeift ihn zurück
Antonelli lebt seine Jugend weiter aus. Früher schwänzte er schon mal die Schule (jetzt hat er sein Abitur nachgeholt). Aber in einer intakten Ehe mit Vater Marco (61), der ihn stets begleitet, auf dem Boden hält und vor dem Rennen küsst – und der auch mal strengen Mama Veronica, die früher bei der Post arbeitete.
«Wenn ich mit den falschen Kleidern aus dem Haus will, pfeift mich die Mama schnell zurück. So gehst du nicht weg!» Die intakte Ehe (mit Schwester Maggie, 11) hat dem Aufstieg des Wunderknaben viel geholfen. Arroganz ist ihm ein Fremdwort, Höflichkeit und ein fröhliches Lachen begleiten ihn.
Dann weint er auch mal hemmungslos
Und wenn es mal richtig schiefläuft, dann weint der Formel-1-Fahrer auch mal hemmungslos. Toto Wolff: «Nach seiner schlechten Vorstellung in Ungarn 2025 musste ich ihn minutenlang trösten. Dieser Junge hat noch echte Gefühle.»
Und auf der Rennstrecke zeigt er viel Respekt. «Der Druck ist doch etwas Positives». Da sind kaum unüberlegte Manöver dabei. Fairness ist oberstes Gebot, unnötige Duelle vermeidet er. Und selbst Teamkollege Russell sagt: «Wir verstehen uns gut, auch wenn es schwerfällt, diese Niederlagen zu verkraften. Aber ich habe ja noch zwölf Jahre Zeit.»
Wohin Blödeleien auf der Strecke führen, zeigte am Freitag in Mexiko das «Teamduell» Verstappen (Red Bull) gegen Lawson (Racing Bulls). Weil sich die beiden sogar berührten, verhängte die FIA für beide eine Strafe von einem Startplatz. Dumm gelaufen.
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