Sticker auf Debitkarten: Schweizer Banken warnen vor Risiken

Die Debit- oder Kreditkarte ist meist bloss Mittel zum Zweck. Wenn du nicht gerade deine Kartennummer nachschauen musst, schlummert sie im Portemonnaie – während du an der Kasse längst mit dem Handy zahlst. Mit diesem DIY-Hack könnte sich das ändern: Im Netz zeigen diverse Videos, wie man seine Bankkarte mit Stickern zum Hingucker macht.
Creators in Deutschland wählen dafür an Cewe-Fotostationen zwischen vorgefertigten Designs oder laden eigene Bilder hoch. Milena entscheidet sich etwa für den Spruch «You know you want it xoxo». Jaleesa hält ein Leopardenmuster in die Kamera. «Ich glaube, ich habe die coolste Bankkarte überhaupt», sagt sie in einem Tiktok-Video.
In der Schweiz fehlt die nötige Technik
Auf Anfrage von 20 Minuten erklärt Cewe, dass das Angebot hierzulande aktuell nicht verfügbar ist: «Das Produkt Bankkarten-Sticker erfordert eine spezielle Druck- und Schneidetechnik, die an den Fotostationen in der Schweiz derzeit nicht im Einsatz ist.» Das Unternehmen prüfe den Einsatz in weiteren Ländern.
Ganz verzichten müssen Schweizer Kartenbesitzerinnen und Kartenbesitzer auf den Look jedoch nicht. Im Netz finden sich passende Aufkleber, unter anderem beim Onlineshop Apfelkiste. Die Auswahl ist dort allerdings begrenzter.
Kann die Karte mit Sticker im Bancomaten stecken bleiben?
Unter den Videos feiern User den Aufhübsch-Hack als «so, so cool» oder «genial». Andere halten ihn für eines der «Dinge, die man nicht braucht» – oder warnen vor möglichen Problemen: «Muss man vorsichtig sein, manchmal klappt der Sticker um und wird in Automaten dann festgehalten», schreibt etwa eine Followerin unter einem Beitrag.
Kann ein sich lösender Sticker tatsächlich dazu führen, dass die Karte stecken bleibt? Cewe sind nach eigenen Angaben bislang keine Fälle bekannt, in denen sich ein Bankkartensticker gelöst habe und deshalb in einem Geldautomaten stecken geblieben sei. Auf glatten Kunststoffoberflächen hafteten die Sticker optimal und liessen sich in der Regel rückstandsfrei entfernen.
Die Cewe-Sticker bestehen laut Unternehmen aus Kunststoff und haben eine Aussparung für den Chip. Für Karten mit hochgeprägten Zahlen eignen sie sich hingegen nicht: Die unebene Oberfläche könne verhindern, dass der Sticker richtig haftet.
Schweizer Banken raten von Aufklebern ab
Schweizer Banken sehen in den Stickern einen Risikofaktor. «Die Karte wird je nach Dimension des Aufklebers minimal dicker. Dies kann dazu führen, dass sie in Geldautomaten, Parkautomaten et cetera hängen bleibt oder nicht mehr eingeführt werden kann», sagt Dörte Horn, Mediensprecherin von Postfinance. Zudem könnten Kleberückstände die Geräte beschädigen.
Auch die Migros Bank rät grundsätzlich von Stickern und Folien auf Bankkarten ab. «Aufgeklebte Elemente können die einwandfreie Funktion der Karte beeinträchtigen und die sichere Verwendung im Zahlungsverkehr einschränken», sagt Mediensprecher Urs Aeberli. Besonders hoch sei das Risiko bei Geräten, welche die Karte vollständig einziehen: Der Aufkleber könne den Einzug, die Verarbeitung oder Ausgabe mechanisch behindern.
Wie stehst du zu Stickern auf Bankkarten?
Chip und Magnetstreifen sollten laut beiden Banken nie überklebt werden. Die Migros Bank nennt zusätzlich den Bereich für die Kontaktlos-Funktion, die Kartennummer und die Sicherheitsmerkmale.
Auch Raiffeisen rät von Kartenstickern ab. Mediensprecher Joël Grandchamp verweist ebenfalls darauf, dass für den physischen Einsatz einer Karte der Chip sowie der Magnetstreifen «zwingend lesbar» sein müssen. Wie häufig veränderte Karten in der Schweiz Funktionsprobleme verursachen oder eingezogen werden, lässt sich laut dem Sprecher nicht beziffern: Raiffeisen Schweiz führe dazu keine Statistik.
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Im schlimmsten Fall drohen Reparaturkosten
«Bei Beschädigung des Geldautomaten können Umtriebe und Reparaturkosten auf die Karteninhaberin oder den Karteninhaber überwälzt werden», warnt Aeberli von der Migros Bank.
Für eine Ersatzkarte gelten unterschiedliche Regeln. Zieht ein Postfinance-Automat eine Karte ein, wird sie vernichtet und laut Horn kostenlos ersetzt. Bei der Migros Bank können je nach Fall Gebühren anfallen. «Ob eine eingezogene Karte zurückgegeben werden kann, hängt vom jeweiligen Automatenbetreiber und den internen Prozessen ab.»
Raiffeisen behält sich ebenfalls vor, «eine Gebühr zu verlangen», wenn der Sticker die Karte funktional beeinträchtigt hat oder sie dadurch nicht mehr funktioniert.
Hast du deine Bankkarte mit einem Aufkleber verziert – und dadurch schon einmal Probleme bekommen? Verrat es uns in den Kommentaren.
Vanessa Büchel (vab) arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Fashion-Redaktorin im Lifestyle-Ressort und schreibt über Trends und Styling-Tipps.
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