«Hatte schon schlimmere Sachen» – jetzt spricht der Nati-Captain

- Die Luzerner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Nati-Captain Granit Xhaka wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung im Zusammenhang mit einem Covid-Zertifikat.
- Xhaka äusserte sich erstmals knapp zu den Vorwürfen und sagte, er sei davon «überhaupt nicht» beeinträchtigt.
- Nationaldirektor Pierluigi Tami stellt sich am Montag in Belek den Medienfragen – Xhaka soll Anfang Oktober von der Staatsanwaltschaft befragt werden.
In den letzten Tagen dominierte ein grosses Thema die Schweizer Sportberichterstattung. Die Impfvorwürfe gegen Granit Xhaka. Die Luzerner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Nati-Captain und die «Wunderärztin» Andrea Ludwig wegen des Verdachts auf ein strafrechtlich relevantes Verhalten im Zusammenhang mit Covid-Zertifikaten. Es gilt für beide die Unschuldsvermutung.
Nun äusserte sich Xhaka erstmals zu den Vorwürfen gegenüber derNZZ. Nach der 3:5-Niederlage von Xhakas Sunderland gegen Manchester City wollte er zwar nicht viel über das Thema reden, ein paar Worte liess er sich dann aber doch entlocken: «Dazu gibt es keinen Kommentar. Ich habe heute Fussball gespielt. Und das zählt für mich momentan.»
Schweizer Nati trifft sich in Belek
Auf Nachfrage, ob ihn die Sache beeinträchtige, antwortete der 33-Jährige: «Überhaupt nicht, ich hatte schon schlimmere Sachen.» Reden wollte auch Xhakas Coach Régis Le Bris nicht. Es sei nicht «mein Bereich», um über diese Dinge zu sprechen, meinte er: «Mein Bereich ist Fussball. Und was Fussball angeht, ist er sehr gut.»
Sicher ist: Die Vorwürfe werden Xhaka auch während der langen Nations-League-Phase mit der Schweizer Nati begleiten. Diese trifft sich am Montag in Belek in der Türkei, dem berühmten Ferienort an der türkischen Riviera. In der Fussballszene ist er bekannt, weil viele Schweizer Clubs dort ihre Wintertrainingslager abhalten. Für die Nati ist es eine Premiere, Yakin empfängt die Spieler im Fünfsterne-Hotel «Kempinski».
Dann wird auch Xhaka erscheinen – und die Nati-Verantwortlichen werden sich auch öffentlich mit dem Thema beschäftigen müssen. So wird sich am Montag der Nationalmannschaftsdirektor Pierluigi Tami an einer Medienkonferenz den Fragen der Journalisten stellen. 20 Minuten ist vor Ort.
Wie geht es jetzt weiter?
Doch worum geht es im Xhaka-Fall eigentlich? Konkret geht es um eine mögliche Erschleichung einer falschen Beurkundung und/oder Urkundenfälschung. So soll er sich im Jahr 2022 ein Covid-Zertifikat erschlichen haben. Für Xhaka und die Ärztin gilt die Unschuldsvermutung.
20 Minuten hat derweil die Impf-Bestätigung des Nati-Captains einsehen können. Gemäss dieser Bestätigung hat sich Xhaka in Luzern von der behandelnden Ärztin am 25. Januar 2022 zum ersten Mal und am 8. November 2022 zum zweiten Mal gegen Corona impfen lassen.
Weiter findet sich auf dem Dokument eine Identifikationsnummer des Impfstoffs, wie auch ein Zahlungsbeleg, der nachweist, dass die Ärztin den Moderna-Impfstoff gekauft hat. Ob das Dokument echt ist oder nicht, kann die Redaktion nicht beurteilen. Das ist Gegenstand der laufenden Untersuchungen.
Xhakas Sprecher Andreas Bantel meint auf Anfrage von 20 Minuten: «Ich bitte Sie um Verständnis, dass hier der Staatsanwalt bezüglich der Frage, was genau passiert ist, Vorrang hat. Aus diesem Grund verzichtet Granit Xhaka aktuell auf Ausführungen zu Detailfragen.» Anfang Oktober soll Xhaka von der Staatsanwaltschaft befragt werden.
Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredakteur und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.
Sebastian Rieder (sri), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Stv. Leiter Sport. Der Generalist hat stets die besten Schweizer Fussballer im Fokus und begleitet die Nati als Reporter und Videojournalist.
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