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Saturday, October 10, 2026

Neues Album «∞+1» – Bilderbuch überfordern – und machen darum wieder richtig Spass

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«Baby let's get overstimulated», singt Maurice Ernst in «Was in dieser Welt» und beschreibt damit die neue Bilderbuch-Platte äusserst treffend. Nach den glamrockig-psychedelischen Ausflügen auf «Gelb ist das Feld» und vor allem auf der «Softpower»-EP ist Autotune zurück, das Album ist wieder elektronischer, tanzbarer, verzerrter, verworrener und abwechslungsreicher. Es ist viel – nicht umsonst heisst es «∞+1».

Diese akustische Reizüberflutung ist eine Reaktion der Wiener Gruppe auf die Überforderung durchs moderne Leben. Die zehn neuen Songs drehen sich denn auch um Themen wie den zunehmenden Optimierungstrend («Push Reality») und Unglück durch Überfluss («Baby Junkie»), aber auch um den Dauerbrenner Liebe («Ist es denn ein Wunder»), dessen Flamme trotz in die Höhe schnellender Bildschirmzeiten nicht so bald zu ersticken scheint.

Faszinierende Unangepasstheit

Mit dem Unendlichen im Titel sei ebenfalls die Unmenge an (auch KI-generiertem) Sound und Content gemeint, die mittlerweile um die Ohren, Augen und Gehirne der Leute buhlt, so Frontmann Maurice Ernst gegenüber «FM4». Das Plus Eins sei ihr Beitrag dazu, den «keiner braucht, der aber trotzdem gesehen werden mag».

Aber vielleicht braucht man ihn eben doch, gerade weil er einen daran erinnert, dass nicht sämtliche Inhalte butterweich scrollend und möglichst reibungslos konsumiert werden können – und es auch nicht sollen. Erst, was unbequem ist, fällt auf und nur, was auffällt, kann interessant sein. Auch wenn man sich an einigen Kanten der Platte den Gehörgang aufschürft oder ein Synthie-Gitarrenmonster wie «Unterwasser» ob all der Aufregung schliesslich die Pointe vergisst.

Frischer Gegenwind

Der frische Bilderbuch-Wurf ist auch ein Abschiedsgeschenk, geschnürt mit den Saiten von Michael Krammer aka Snacky Mike aka Mizzy Blue. Nach 17 Jahren hat er die Band Anfang Jahr verlassen, um «mehr Raum für Familie, für persönliches Wachstum sowie für innere und äussere Balance» zu schaffen, wie er auf Instagram schreibt. Auf «∞+1» heulen seine ausschweifenden, verschrobenen Riffs darum vorerst ein letztes Mal in ihrer schier unendlichen Sexyness.

Seinen Platz am Pedalboard hat vor Kurzem Uche Yara übernommen, die als Solokünstlerin bereits für Begeisterung gesorgt und gerade ihr Debütalbum «Bodyscanner» veröffentlicht hat. Sie und die Boys haben nicht nur gemeinsam, dass sie in Oberösterreich aufgewachsen sind, sondern auch den Hang zum Experimentieren, zum wohlklingenden Lärmen und zum Ausloten des Begriffs und Genres Pop.

Fixer Wandel

Ausserdem ist sie rund 15 Jahre jünger als die vier Enddreissiger, was diese hoffentlich davon abhält, allzu bald vom Kurs der steten Veränderung abzukommen.

Denn dieser ist es, der vor einer Dekade die zeitlosen, vom Hip-Hop beeinflussten Knaller «Maschin» und «Bungalow» ermöglicht hat. Und der nach wie vor dafür sorgt, dass Bilderbuch eine der spannendsten, unberechenbarsten und im besten Sinne überstimulierendsten deutschsprachigen Acts dieses Jahrtausends sind.

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