Millionen Bankkonten blockiert – ist auch die Schweiz betroffen?

Darum gehts
- Paraguays Präsident Santiago Peña muss sich wegen eines Bankenskandals einem Amtsenthebungsverfahren stellen.
- Die Zentralbank stellte die Bank Ueno unter Zwangsverwaltung, Millionen Kunden haben keinen Zugriff auf ihr Geld.
- Acht Ueno-Führungskräfte sitzen in Untersuchungshaft, Peña weist unzulässige Verbindungen zur Bank zurück.
Ein Bankenskandal hat Paraguay in eine Regierungskrise gestürzt. Der rechtsgerichtete Präsident Santiago Peña muss sich einem Amtsenthebungsverfahren stellen, das am Freitag beginnen sollte.
Auslöser sind Peñas Verbindungen zur Bank Ueno. Die Zentralbank stellte das Institut am Dienstag wegen unzureichender Kapitalausstattung unter Zwangsverwaltung. Millionen Kundinnen und Kunden können seit Wochen nicht auf ihr Geld zugreifen. Proteste und teils gewaltsame Zusammenstösse mit der Polizei waren die Folge. Ein Überblick:
Was ist Ueno?
Ueno ist ein digitaler Kreditgeber, der sich innert weniger Jahre vom lokalen Fintech-Anbieter zu einer mittelgrossen paraguayischen Bank entwickelt hat. Rund die Hälfte der 6,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner Paraguays soll ein Konto bei Ueno haben.
Seit ihrer Gründung 2021 wurde die Bank mit schnell wachsenden Digitalbanken wie Revolut, Yuh oder Neo verglichen. Nach eigenen Angaben verwaltete Ueno zuletzt rund 850 Millionen Dollar an öffentlichen Geldern, darunter Mittel staatlicher Institutionen und der Altersvorsorge.
Was ist passiert?
Der rasante Aufstieg machte Ueno zu einer der prominentesten Erfolgsgeschichten des paraguayischen Finanzsektors. In den vergangenen Monaten geriet die Bank jedoch zunehmend ins Visier der Aufsicht. Der Vorwurf: Ueno habe Unternehmen, die mit ihrem Hauptaktionär Grupo Vázquez verbunden sind, übermässig hohe Kredite gewährt.
Die Zentralbank griff ein, nachdem sie festgestellt hatte, dass Ueno die Mindestanforderungen an die Solvenz nicht erfüllte, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Millionen Paraguayerinnen und Paraguayer verloren daraufhin plötzlich den Zugriff auf ihre Konten.
Was hat Präsident Peña mit Ueno zu tun?
Peña, der 2023 gewählt wurde, steht wegen früherer geschäftlicher Verbindungen zur Grupo Vázquez unter politischem Druck. Der Ökonom erklärte, bis März 2025 Anteilseigner der Gruppe gewesen zu sein; danach habe er seine Beteiligung verkauft.
Oppositionsabgeordnete werfen ihm Interessenkonflikte, den Missbrauch von Rentengeldern und eine institutionelle Vertuschung vor. Peña weist unzulässige Verbindungen zurück. Er bezeichnet die Affäre als politische Eskalation eines ursprünglich regulatorischen Falls und fordert eine Klärung auf dem Rechtsweg.
Acht Ueno-Führungskräfte befinden sich im Zusammenhang mit dem Skandal in Untersuchungshaft, darunter Bankchef Miguel Vázquez.
Was ist mit den Konten passiert?
Die Zentralbank will die Kundenkonten von Ueno auf andere Finanzinstitute übertragen. Der Prozess belastete das gesamte Bankensystem und führte auch bei anderen Banking-Apps zu Ausfällen.
Ueno-Kundinnen und -Kunden haben derzeit keinen Zugriff auf ihre Konten. In Asunción bildeten sich vor Geldautomaten lange Schlangen, weil Menschen versuchten, an ihre Ersparnisse zu gelangen.
Warum setzte die Hälfte der Bevölkerung auf eine Digitalbank?
Das konsequent auf Mobilgeräte ausgerichtete Geschäftsmodell half Ueno, Kundengruppen zu erreichen, die von traditionellen Banken bislang nur unzureichend bedient wurden. Die Bank erleichterte vielen Menschen den Zugang zu digitalen Zahlungen, Sparmöglichkeiten und weiteren Finanzdienstleistungen.
Wer ist von der Ueno-Schliessung betroffen?
Zu den Betroffenen gehören auch Rentnerinnen und Rentner, die ihre staatlichen Leistungen über Ueno beziehen. Die Behörden sahen sich deshalb zu raschem Handeln gezwungen, um Einlagen zu sichern und öffentliche Gelder zu schützen.
Präsident Peña unterzeichnete Anfang der Woche ein Gesetz, das Auszahlungen an vom Zusammenbruch betroffene Einleger beschleunigen soll.
Könnte die Krise auf das übrige Finanzsystem übergreifen?
Die paraguayischen Behörden betonen, die Krise sei auf Ueno begrenzt und weise nicht auf grundlegende Schwächen des nationalen Bankensystems hin.
Neben Kundeneinlagen verfügte Ueno nach eigenen Angaben über rund 510 Millionen Dollar an Finanzierungsmitteln von Entwicklungsinstitutionen, internationalen Fonds und den Kapitalmärkten. Dazu zählt eine Anleihe über 350 Millionen Dollar an der Wall Street, die von JPMorgan und der Bank of America begleitet wurde.
Paraguay verfügt über Kreditratings im Investment-Grade-Bereich und gilt als eine der stabileren sowie reformfreundlicheren Volkswirtschaften Südamerikas. Ob die Ueno-Affäre diesem Ruf langfristig schadet, ist offen.
Ist die Schweiz vom Ueno-Kollaps betroffen?
Ueno ist keine in der Schweiz zugelassene oder von der FINMA beaufsichtigte Bank. Dennoch bleibt ein indirektes, begrenztes Anlagerisiko möglich: Ueno hat im März 2026 unbesicherte Dollar-Anleihen über 350 Millionen US-Dollar am internationalen Kapitalmarkt platziert.
Schweizer Fonds, Vermögensverwalter oder institutionelle Anleger könnten diese Titel halten. Die einzelnen Gläubiger sind jedoch nicht öffentlich bekannt. Ein allfälliger Verlust träfe dann die jeweiligen Investoren, nicht die Stabilität des Schweizer Bankensystems.
Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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