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Friday, November 6, 2026

Doyen der Dirigenten ist tot – Herbert Blomstedt: Das ewige Suchen nach dem Idealen

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Er arbeitete akribisch. Selbst wenn er ein Werk schon zigmal dirigiert hatte, setzte sich Herbert Blomstedt jedes Mal erneut vor die Partitur und begann von vorn, sie zu erkunden und zu analysieren. So erforschte er die Werke immer genauer, entdeckte ihre Geheimnisse tiefer und kam seinen Idealvorstellungen näher.

«Die Welt dieser Musik ist so enorm reich, man kann da gar nicht zu Ende kommen. Das ist ein ewiges Suchen nach dem Idealen. Und ich glaube, dieses Suchen hält uns lebendig.» So formulierte es der bis ins 99. Lebensjahr aktive Blomstedt im Gespräch.

Entsprechend ausgefeilt sind seine Interpretationen. Sie bestechen durch strukturelle Klarheit und Detailreichtum. Gleichzeitig schöpfte er aus der präzise analysierten Architektur der Werke eine fesselnde emotionale Kraft und entfachte bis zuletzt, selbst sitzend am Dirigierpult, gewaltige Klangmassen mit sparsamsten Handbewegungen.

Schwarz-Weiss-Aufnahme eines Orchesters mit Dirigent bei einem Konzert.
Legende: Der Dirigent Herbert Blomstedt leitete am 16. August 1981 im Rahmen der Internationalen Musikfestwochen Luzern das Schweizerische Festspielorchester. KEYSTONE/Str

Er war Spezialist für die Sinfonik des klassisch-romantischen Repertoires. Opern und Vokalwerke lagen ihm weniger am Herzen. Seine musikalischen Götter waren Bach, Beethoven und vor allem Bruckner. Ihm fühlte er sich besonders verbunden und er galt als einer der bedeutendsten Bruckner-Interpreten unserer Zeit.

Schweden, Deutschland, USA

Der studierte Musikwissenschaftler begann seine Karriere als Dirigent in seiner Heimat Schweden. In den ersten Jahrzehnten leitete er als Chefdirigent mehrere Orchester in Skandinavien, bevor er ans Pult der Staatskapelle Dresden wechselte. Später wurde er Music Director des San Francisco Symphony Orchestra und Gewandhauskapellmeister in Leipzig. Dazwischen und bis zuletzt dirigierte er die bedeutendsten Orchester der Welt, von den New Yorker- bis zu den Berliner Philharmonikern.

Er integrierte auch Erkenntnisse der historisch informierten Aufführungspraxis in seine Interpretationen. Wichtig war ihm die Orchesteraufstellung: Er liess seine Orchester stets in der ursprünglichen, sogenannten deutschen Aufstellung spielen, mit den ersten Geigen links und den zweiten Geigen rechts. Die Komponisten kannten bis in die 1920er-Jahre keine andere Anordnung und komponierten Stereo- oder Echoeffekte eigens dafür.

«Dirigent mit grosser Wirkung: Zum Abschied von Herbert Blomsted»

Auf SRF 2 Kultur ist am 5.11.2026 um 20 Uhr die Sendung «Im Konzertsaal» zu hören – mit dem Konzert der Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Herbert Blomstedt (13. Januar 2026).

Diese gingen verloren, sässen die Geigen nicht gegenüber, sondern nebeneinander wie in der amerikanischen Aufstellung. Es sei fast kriminell, ein Orchester so spielen zu lassen, meinte Blomstedt augenzwinkernd. Als Chefdirigent des Gewandhausorchesters liess er die deutsche Aufstellung vertraglich für alle Gastdirigierenden festhalten.

Beliebter «Blomi»

So diszipliniert, wie er Partituren analysierte, lebte er bis ins hohe Alter. Er war religiös, bekennender Siebenten-Tags-Adventist, trank keinen Alkohol, rauchte nicht und ernährte sich vegetarisch. Zudem hielt er streng einen arbeitsfreien Tag pro Woche ein, wobei er Konzerte nicht als Arbeit betrachtete, sondern nur das Proben.

Er pflegte bis zuletzt einen geistreichen Humor, wirkte freundlich und bescheiden und war gerade deshalb bei seinen Musizierenden beliebt. Viele nannten ihn liebevoll «Blomi». Privat liebte es der Vater von vier Töchtern, in den Bergen rund um seine Wahlheimat Luzern zu wandern, wo er vier Jahrzehnte lang gelebt hat oder durch die Wälder Mittelschwedens zu spazieren.

Mit Herbert Blomstedt ist einer der ganz grossen Orchesterdirigenten von der Bühne abgetreten. In seinen Aufnahmen bleibt seine Kunst lebendig.

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