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Friday, October 30, 2026

Tausende Demonstranten in Pristina – trägt der Staat Schuld am Tod einer Frau?

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«Bin ich die Nächste?»

Tausende Demonstranten in Pristina – trägt der Staat Schuld am Tod einer Frau?

Grosser Protest in Pristina: Der Tod von Arlinda Z.*, die zuvor wiederholt Hilfe wegen häuslicher Gewalt gesucht hatte, entfacht im Kosovo Wut über mutmassliches Staatsversagen.

Publiziert: 29.10.2026 um 21:02 Uhr

  • Tausende protestierten in Pristina gegen häusliche Gewalt und warfen dem Staat Versagen vor
  • Arlinda Zekaj wurde in Peja getötet, nachdem sie kurz zuvor bei der Polizei Schutz gesucht hatte
  • Parlament prüft mögliche Verantwortlichkeiten, Kurti sprach von systemischen Versäumnissen
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Wiebke KöhneRedaktorin Newsdesk

Tausende Demonstranten marschierten am Mittwoch durch die Strassen Pristinas. Ihre Banner setzten klare Zeichen gegen häusliche Gewalt und betonten das Versagen des Staates, Kosovos Frauen davor zu schützen. «Müssen wir erst sterben, um ernst genommen zu werden?» oder auch «Männer töten Frauen, der Staat schweigt» sind zwei Sätze, die auf den unzähligen Transparenten stehen.

Ausgelöst wurden die Demonstrationen durch den gewaltsamen Tod einer 49-jährigen Frau am vergangenen Sonntag. Auf Social Media zeigen sich Menschen weltweit bestürzt. Auch Prominente in der Schweiz äusserten sich, wie beispielsweise der Schweizer Rapper EAZ auf Instagram. «Schande für einen Staat, der es nicht schafft, seine eigenen Frauen zu beschützen!», sagte der Musiker mit kosovarischen Wurzeln gegenüber «20 Minuten».

1.

Der Fall Arlinda Z.

Wie mehrere kosovarische Medien übereinstimmend berichten, soll Z. am vergangenen Sonntag im gemeinsamen Zuhause von ihr und ihrem Noch-Ehemann in Peja brutal getötet worden sein – laut einer Verwandten soll es sich bei der Mordwaffe um eine Axt gehandelt haben. Z. lebte getrennt von ihrem Mann bei ihren Eltern. Ihr Mann wurde bereits am Wochenende vor ihrem Tod wegen häuslicher Gewalt festgenommen.

Aus welchem Grund sie das gemeinsame Zuhause aufgesucht hat, geht nicht eindeutig aus den Meldungen hervor. Jedoch soll sie wenige Stunden davor noch bei einer örtlichen Polizeistation Schutz gesucht haben. Bei dem mutmasslichen Täter handelt es sich um ihren Schwager. Der 45-jährige Mann, der danach mehrere Tage auf der Flucht war, wurde unterdessen von den Beamten in einem Berggebiet in der Gemeinde Deçan festgenommen.

2.

Der Brief vor ihrem Tod

Wie AP News berichtet, löste der Tod von Z. aufgrund ihrer Vorgeschichte zusätzliche Empörung aus. Z., die den Behörden wiederholt Gewalt durch ihren Ehemann meldete, fühlte sich von den Verantwortlichen im Stich gelassen. Drei Tage vor ihrer Ermordung wandte sie sich daher mit einem Brief an die Generalstaatsanwaltschaft. Darin schrieb sie, dass die Zuständigen die Verantwortung hin- und herschieben würden und damit «die Gefahr für mein Leben fortbestehen lassen».

3.

Wie sind die Reaktionen?

Der Fall von Arlinda Z. sorgte sowohl im Kosovo als auch weit über die Landesgrenzen hinaus für einen grossen Aufschrei und Kritik an den Strukturen des Staates. «Dieser Fall wirft ernsthafte Fragen hinsichtlich eines möglichen Versagens der Institutionen auf», erklärte das Kosovo-Frauennetzwerk.

Das kosovarische Parlament kam bereits am Montag zu einer Sondersitzung zusammen, um mögliche institutionelle Verantwortlichkeiten im Fall von Arlinda Z. zu prüfen. Auch der Ministerpräsident Albin Kurti (51) sprach im Anschluss von einer «systemischen Kette von Versäumnissen der für Sicherheit und Justiz zuständigen Institutionen».

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