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Sunday, November 8, 2026

Sicherheitsempfinden im Wandel – Ein Ausstellung zur Kunst, Risiko zu leben

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Das Stapferhaus Lenzburg wird mit der Ausstellung «Sicherheit. Ein Risiko?» zu einem interaktiven Testzentrum. So wirbt das Aargauer Museum für seine neuste Ausstellung, welche die Beziehung zwischen Sicherheit und Risiko erfahrbar machen soll.

Zwei Personen betrachten in einem blau beleuchteten Gang eine Wandinstallation.
Legende: Schaffen mehr Kameras auch mehr Sichrheit? Auch um diese Frage geht es bei der neuen Ausstellung im Stapferhaus. Stapferhaus/Anita Affentranger

Besucherinnen und Besucher werden zu Testpersonen, die ihr eigenes Sicherheitsbedürfnis und ihre Risikobereitschaft an verschiedenen Stationen ausloten können. Sei es beim Sprung ins Ungewisse, im Sicherheitslabor, beim Spiel im Casino oder im Situation Room.

In der Ausstellung gilt es überall persönliche Grenzen zu erkunden und gesellschaftliche Fragen zu diskutieren. Wie viel Risiko muss eine Gesellschaft ertragen können? Wie viel Sicherheit brauchen wir? Wie verändert sich unser Sicherheitsgefühl?

Sicherheitsempfinden besser als in den 90er-Jahren

Mit diesen und ähnlichen Fragen setzt sich von Berufes wegen Professor Dirk Baier auseinander. Er ist Soziologe und Kriminologe, und gilt als Experte für Jugendkriminalität, Gewalt- und Extremismusforschung. Er beschäftigt sich nicht nur mit der objektiv vorhandenen Kriminalität, sondern auch mit dem subjektiven Wahrnehmen und Erleben von Kriminalität und Sicherheit.

Das Sicherheitsgefühl sei sehr individuell. «Es gibt nicht den einen zentralen Faktor, das Sicherheitsgefühl hängt von mehreren Dingen ab», sagt Baier. «Grundsätzlich fühlen sich Menschen in vertrauten Situationen sicherer als in neuen», so Baier. Dunkelheit, Unordnung oder Unübersichtlichkeit verschlechtern das Sicherheitsgefühl.

Tendenz beim Sicherheitsgefühl: sinkend

Um das Sicherheitsgefühl zu messen, führt die ETH Zürich seit Anfang der 90er-Jahre Sicherheitsstudien durch. Fazit daraus: «In den letzten 30 Jahren ist das Sicherheitsgefühl in der Schweiz massiv gestiegen», so Baier.

Waren es in den 90ern noch 30 Prozent der Befragten, die sich in Studien als unsicher bezeichnet hatten, waren es zuletzt nur noch fünf bis zehn Prozent. Allerdings: «In den letzten Jahren sehen wir wieder, dass das Unsicherheitsgefühl ansteigt.»

Warum hat das Unsicherheitsgefühl wieder zugenommen? Dazu gibt die Wissenschaft keine eindeutige Antwort, eine mögliche Deutung sei aber die Zunahmen der Krisen weltweit, so Baier: «Ich denke, durch die Dominanz von Problemen und Krisen in den Medien hat die Unsicherheit wieder zugenommen.»

Was hilft, um das Sicherheitsgefühl zu verbessern? «In der Öffentlichkeit hilft manchmal eine gute Beleuchtung, persönlich empfehle ich eine ausgewogene Mediennutzung.» Man könne die Welt und ihre Krisen manchmal auch ein Stück weit ausblenden, empfiehlt der Soziologe.

Spielerische Auseinandersetzung mit Risiko und Sicherheit

Zurück nach Lenzburg. Die Ausstellung im Stapferhaus zeigt, dass Sicherheit und Risiko miteinander verbunden sind: Sicherheit macht nur Sinn im Vergleich zum Risiko, und umgekehrt.

Es gibt hier keine einfachen Antworten darauf, wie viel Sicherheit nötig ist oder welche Risiken akzeptabel sind – dieses Gleichgewicht soll jeder Mensch und jede Gesellschaft immer wieder neu definieren.

Mit überraschenden Szenen und viel Humor lädt das Stapferhaus dazu ein, die eigene Komfortzone zu verlassen und eröffnet neue Perspektiven. Die Ausstellung macht deutlich: Die Frage nach Sicherheit und Risiko betrifft uns alle – und fordert uns heraus.

Das Stapferhaus in Lenzburg ist ein Museum, welches sich mit der Gegenwart auseinandersetzt. Statt einfache Antworten zu liefern will das Stapferhaus mit interaktiven Erlebniswelten zu gesellschaftlichen Themen wie Geld, Heimat oder Natur den gesellschaftlichen Diskurs fördern. Besucherinnen und Besucher können dabei selbst aktiv werden: Sie beziehen Position, treffen Entscheidungen und wechseln spielerisch die Perspektive.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 6.11.2026, 17:30 Uhr ;  heir;ledn;noes

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