Kein Bock auf XL-Gästeliste: Schweizer heiraten im kleinen Rahmen

Eine grosse Location, Dinner, Blumen, Fotograf – Hochzeiten haben ihren Preis: Wer eine klassische Feier plant, landet darum schnell bei mehreren zehntausend Franken. Kein Wunder also, dass sich manche Paare fragen, ob es für den grossen Tag wirklich eine dreistellige Gästeliste braucht.
In den USA sind im Schnitt 117 Personen eingeladen, wie die US-Hochzeitsplattform «The Knot» bei einer Umfrage herausgefunden hat. In der Schweiz fallen Hochzeiten dagegen oft etwas intimer aus. Das Weddingplanungsunternehmen Nations of Glam schreibt auf seiner Website: «In der Schweiz feiern viele Paare mit 60 bis 100 Gästen.»
Wie stehst du zu Hochzeiten im Mini-Format?
Die Gäste können dabei einen grossen Kostenpunkt darstellen – und ein Grund sein, warum sich Paare für eine kleinere, sogenannte Micro-Wedding entscheiden. Wo genau die Grenze dafür liegt, ist nicht einheitlich festgelegt. «Vogue» schreibt etwa von Hochzeiten mit zehn bis 30 Gästen.
Auch in der Schweiz beobachten Sarah und Cheryl Gylam von Nations of Glam eine Entwicklung hin zu kleineren Feiern. «Hochzeiten mit rund 30 bis 50 Gästen kommen immer häufiger vor», sagt Weddingplanerin Cheryl gegenüber 20 Minuten. Feiern mit nur 20 Gästen seien in ihrem Arbeitsalltag dagegen noch eher selten.
Über die Expertinnen
Die Gästeliste wird bewusster
Bei der Entscheidung für eine Feier mit weniger Gästen spielt aber längst nicht nur das Budget eine Rolle. «Die Gästeliste wird bewusster. Paare überlegen stärker, mit wem sie diesen sehr persönlichen Tag wirklich teilen möchten», erklärt Sarah.
Statt möglichst viele Menschen einzuladen, entstehe ein bewusst gewählter Kreis aus Familie sowie engen Freundinnen und Freunden. Das schaffe mehr Raum für eine intimere Atmosphäre. «Eine kleinere Gästeliste kann etwas ermöglichen, das bei einer grossen Hochzeit deutlich schwieriger ist: echte Zeit mit den einzelnen Menschen», ergänzt Cheryl.
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Bei 30 Gästen könne das Paar tatsächlich mit allen Zeit verbringen, Gespräche entstünden anders und auch für die Gäste entwickle sich ein stärkeres Gefühl von Gemeinschaft. «Wenn ein Paar am Ende des Abends das Gefühl hat, diesen Tag nicht nur organisiert, sondern tatsächlich gemeinsam mit seinen wichtigsten Menschen erlebt zu haben, dann fehlt es dieser Hochzeit aus unserer Sicht an überhaupt nichts.»
Eine Micro-Wedding ist nicht automatisch günstiger
Dass durch eine kleinere Gästeliste die Hochzeit automatisch günstiger wird, stimmt laut Nations of Glam so allerdings nicht. Zwar würden vor allem variable Kosten für Catering, Getränke, Papeterie oder teilweise Floristik und Mobiliar sinken, viele Fixkosten aber bestehen bleiben. «Eine Location hat etwa eine Grundmiete, auch Fotografie oder Hochzeitsplanung werden nicht automatisch wesentlich günstiger, nur weil weniger Gäste dabei sind.»
Viele Hochzeitspaare wollten deshalb nicht in erster Linie weniger ausgeben, sondern ihr Budget anders einsetzen. «Statt 100 Personen zu bewirten, investieren sie für 30 Herzensmenschen in eine besondere Location, hochwertigere Kulinarik oder individuelle Erlebnisse.»
Kleinere Hochzeit, längere Feier
Gerade bei kleineren Gästekreisen beobachten die Hochzeitsexpertinnen zudem ein wachsendes Interesse an sogenannten Wedding-Weekends, also Hochzeitswochenenden. Dabei verteilt das Paar die Feier auf mehrere Tage: Am Freitag kommt die Hochzeitsgesellschaft etwa zum Welcome Dinner zusammen, am Samstag wird geheiratet und am Sonntag gemeinsam gebruncht.
«Gerade bei kleineren Gästekreisen kann dieses Format sehr schön funktionieren, weil tatsächlich Zeit miteinander entsteht», sagt Cheryl. So werde aus einem Hochzeitstag ein ganzes Wochenende mit den Menschen, die dem Paar am wichtigsten sind.
Vanessa Büchel (vab) arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Fashion-Redaktorin im Lifestyle-Ressort und schreibt über Trends und Styling-Tipps.
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