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Tuesday, September 22, 2026

Kundin entsetzt: «Der Kellner warf mir Servietten ins Gesicht»

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  • Eine St. Gallerin erlebte in einem Restaurant in Konstanz einen Streit mit einem Kellner, bei dem sie angeblich mit Servietten beworfen wurde.
  • Der Vorfall eskalierte derart, dass die Polizei gerufen wurde – die Tätlichkeit wurde jedoch heruntergespielt, weil niemand verletzt wurde.
  • Das Restaurant widerspricht der Darstellung der Frau und erwägt seinerseits eine Anzeige wegen Rufschädigung.

«Ich höre seit Stunden nicht auf zu weinen», schreibt eine St. Gallerin der 20 Minuten Redaktion. Sie habe am Samstagmittag einen schlimmen Vorfall in einem Restaurant in Konstanz erlebt. Das ging so weit, dass der Kellner ihr angeblich Servietten ins Gesicht geworfen habe, wie sie in einer ausführlichen Nachricht schildert.

Die St. Gallerin postete später auf Social Media ein Video vom Vorfall.

Die St. Gallerin postete später auf Social Media ein Video vom Vorfall.Instagram

Die Frau erzählt, dass sie und ihre Begleiterin am Samstagmittag ein ihr bereits bekanntes Restaurant besucht hätten. Die junge Frau, die an Zöliakie leide, habe eine Limo bestellt, aber dann festgestellt, dass sie Gerstenmalz enthalte. «Weil ich sehr Durst hatte und unser Kellner nicht in der Nähe war, stand ich auf und fragte eine Kellnerin, ob ich eine Flasche Wasser bekommen könnte.»

Als die Flasche Wasser kam, kam es zum Streit

Doch da sei sie angeschnauzt worden, sitzen zu bleiben – der Kellner werde an den Tisch kommen. «Ich sagte ihr, dass ich sie unhöflich finde», so die Frau. Als der Kellner mit einer grossen statt einer kleinen Flasche Wasser kam, habe sie die Bestellung ändern wollen. «Der Kellner wurde sofort aggressiv. Er hielt mir die Flasche vor und sagte sinngemäss: ‹Sie haben doch Wasser bestellt. Was ist das? Ist das nicht Wasser?›»

Die Frauen standen auf und gingen. Zuvor musste die St. Gallerin aber noch ihr Handy holen, das sie dem Kellner zum Einstecken gegeben hatte. Weil der Kellner dachte, sie habe ihn fotografiert, kam es draussen abermals zur Auseinandersetzung.

Vor dem Restaurant sei sie von einem Mann und dem Kellner mehrfach aufgefordert worden, das Handy herzugeben sowie Deutsch statt Spanisch zu sprechen. Der Mann habe schliesslich die Polizei gerufen. Nach ihrer Darstellung lief der Kellner zurück zu ihrem Tisch und nahm alles, was dort lag, mit: Servietten, Taschentücher und Untersetzer für die Trinkgläser. «Er warf mir alles ins Gesicht.» Sie sei völlig schockiert gewesen und habe sich anschliessend geweigert, den Vorplatz des Restaurants zu verlassen, bis die Polizei gekommen sei. Diese habe die Tätlichkeit jedoch heruntergespielt, weil niemand verletzt worden sei.

«Sie hatten bestellt und es wurde schon zubereitet»

Das Restaurant stellt den Vorfall allerdings 180 Grad anders dar. Unter dem Instagram-Video, das die St. Gallerin selber gepostet hatte, schreibt das Restaurant, es wolle den geschilderten Ablauf richtigstellen: «Die beiden Gäste bestellten zunächst Speisen und Getränke und baten unseren Mitarbeiter, ein Mobiltelefon an unserer Ladestation aufzuladen. Während die Speisen bereits zubereitet wurden, entschieden sie sich, das Restaurant zu verlassen. Im weiteren Verlauf nahm eine der Personen ihr Mobiltelefon aus dem Kassenbereich und fotografierte damit unseren Mitarbeiter.»

Der Behauptung, dass die spanische Sprache ein Problem gewesen sei, weist das Restaurant vehement zurück: «Die Sprache war zu keinem Zeitpunkt Anlass für die Auseinandersetzung.» Rechtsanwalt Matthias Biskupek, den das Restaurant unterdessen eingeschaltet hat, sagt zu 20 Minuten: «Im Video ist zu hören, wie ein Mitarbeiter sagt, dass es respektlos sei, in einer anderen Sprache über anwesende Personen zu lästern.» Das sei alles.

«Rassismus weisen wir klar zurück. Der beschuldigte Servicemitarbeiter ist selber Türke und in der Küche und im Service arbeiten Portugiesen und natürlich noch viel mehr Nationalitäten. Das Team ist international aufgestellt und sicher nicht rassistisch.»

«Wir prüfen Kündigung, wenn Müll geworfen wurde»

Ebenso widerspricht das Restaurant der Darstellung, die Kundin sei mit Müll beworfen worden. Biskupek: «Die Dame hat sich im Restaurant nicht ordnungsgemäss verhalten, hat Fotos vom Personal gemacht und die Damen haben einen Haufen Abfall auf ihrem Tisch gelassen, als sie gingen, ohne zahlen zu wollen, während ihre Bestellung bereits zubereitet wurde. Sie wollten ihren Müll nicht mitnehmen, das war einer der Streitpunkte.» Der Müll sei aber keineswegs geworfen worden – sollte das der Fall gewesen sein, werde man Konsequenzen bis hin zur Kündigung prüfen. «Aber bisher haben wir keine Hinweise darauf, dass das passiert sein sollte. Und solche Behauptungen sind rufschädigend. Wir erwägen unsererseits eine Anzeige.»

Das Restaurant-Team schreibt auf Instagram: «Rassismus und Diskriminierung haben bei uns keinen Platz. Gleichzeitig stehen wir hinter unseren Mitarbeitern, wenn öffentlich schwerwiegende Vorwürfe erhoben werden, die nach den uns vorliegenden Aussagen und Zeugenaussagen nicht dem tatsächlichen Geschehen entsprechen.»

Die St. Gallerin stellt klar: «Als die Polizei eintraf, war mein Handy das Erste, was sie überprüft hat. Es stellte sich heraus, dass ich kein Foto vom Kellner oder von sonst jemandem hatte.»

Auf eine Anfrage von 20 Minuten zum Vorfall hat die Konstanzer Polizei bisher nicht geantwortet.

Céline Trachsel

Céline Trachsel (ct), arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Zürich.

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