«Es ist eine Frechheit» – Parkplatz-Ärger wegen Bargeld-Aus

- Defekte Parkuhren werden in der Stadt Gossau SG nicht ersetzt, sondern es wird vollständig auf bargeldloses Bezahlen gesetzt.
- Die Umstellung spart der Stadt rund 75’000 Franken an Investitionen und senkt die jährlichen Betriebskosten um 1500 Franken.
- Mehrere Autofahrerinnen und Autofahrer berichten, sie seien zu Beginn gebüsst worden, weil sie keine passende App oder Twint auf ihrem Handy hatten.
- Für Bargeldzahler bietet die Stadt die Möglichkeit, eine Parkkarte auf dem Einwohnermeldeamt zu beziehen.
«Wäre ich nicht dabei gewesen, hätte meine Mutter die Parkgebühren nicht zahlen können», sagt eine 39-Jährige aus Herisau zu 20 Minuten. Für sie ist klar: Wenn Parkgebühren nur noch mit dem Handy bezahlt werden können, grenzt das Menschen aus. «Meine Mutter war verzweifelt. Sie hat sich ausgeschlossen gefühlt», sagt sie. Und ergänzt: «Bargeld soll etwas wert sein.»
In der Stadt Gossau SG könnte es in einigen Jahren keine Parkuhren mehr geben. «Der Stadtrat hat entschieden, keine neuen Parkuhren anzuschaffen und vollständig auf bargeldloses Bezahlen umzustellen», teilt Tobias Baumann, Kommunikationsbeauftragter der Stadt Gossau, auf Anfrage von 20 Minuten mit.

Wie bezahlst du deinen Parkplatz?
«Ich hatte weder Twint noch die App»
Eine 67-Jährige parkiert regelmässig beim Freibad in Gossau. Dort könne sie bereits seit dem Sommer nur noch bargeldlos bezahlen. Beim ersten Mal sei sie von der Umstellung überrascht worden. «Ich hatte weder Twint noch die Parkingpay-App», sagt sie.
Weil sie keine Möglichkeit sah, die Gebühr zu bezahlen, liess sie ihr Auto stehen. Bei ihrer Rückkehr fand sie eine Parkbusse vor. «Ich habe die Busse nicht akzeptiert.»
Sie habe sich daraufhin bei der zuständigen Stelle gemeldet. Dort sei ihr mitgeteilt worden, dass die Busse rechtsgültig sei. Besonders stört die 67-Jährige, dass sie nicht direkt über die Umstellung informiert worden sei. «Es ist eine Frechheit. Ich habe von weiteren Leuten erfahren, dass sie am Anfang ebenfalls gebüsst wurden, als noch kaum jemand davon wusste.»
Mittlerweile hat sie ihr Handy so eingerichtet, dass sie die Parkgebühr digital bezahlen kann.
«Seit zehn Jahren bezahle ich bargeldlos»
20 Minuten hat sich auf dem Parkplatz umgehört, was die Leute über die Änderung denken. Ein 70-jähriger Anwohner aus Gossau sieht die Entwicklung gelassener. «Es ist nun einmal so. Seit gut zehn Jahren bezahle ich meine Parkgebühr bargeldlos.» Für ihn gehört die Umstellung zur Digitalisierung. «Es ist der Lauf der Zeit. Man muss sich anpassen.»
Elia (27) und Annika (25) sehen die bargeldlose Lösung kritisch, insbesondere für Besucher aus dem Ausland. «Für Leute aus dem Ausland ist es schwieriger, mit dem Handy zu zahlen. Vielleicht haben sie die App nicht oder kein Internet», sagen die beiden.

Stadt spart 75’000 Franken
Für die Stadt hat der Verzicht auf neue Parkuhren vor allem finanzielle Vorteile. «Die Umstellung spart der Stadt Gossau Investitionen von rund 75’000 Franken und reduziert die jährlichen Betriebskosten um gut 1’500 Franken», sagt Baumann.
Zudem würden die bestehenden Parkuhren seit Jahren deutlich weniger genutzt. Die bisherigen Erfahrungen mit dem bargeldlosen Bezahlen seien laut Stadt sehr positiv. Ganz ohne Alternative zum digitalen Bezahlen sollen Autofahrer aber nicht bleiben: «Personen, die generell auf digitale Zahlformen verzichten wollen, können beim Einwohneramt eine Parkkarte beziehen», so Baumann.
Aktivier jetzt den Ostschweiz-Push!
Nur mit dem Ostschweiz-Push von 20 Minuten bekommst du die aktuellsten News aus der Region St. Gallen, Thurgau, Appenzell-Innerrhoden, Appenzell-Ausserrhoden, Glarus, Graubünden und dem nahen Ausland blitzschnell auf dein Handy geliefert.
So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten auf «Profil», dann aufs «Einstellungen»-Zahnrad und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Wähle hier die gewünschten Themen aus. Voilà!
Vanessa Figi (vfi), Jahrgang 2004, arbeitet seit Juli 2026 als Praktikantin beim Ressort Ostschweiz.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
