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Tuesday, October 27, 2026

Millionengeschäft im Polosport – Angriff der Klonpferde: «Cuartetera» gibt’s jetzt 63 Mal

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Was klingt wie Science-Fiction, ist in Argentinien Realität: Dort galoppieren Dutzende «Cuarteteras» über die Polofelder. Eigentlich war die preisgekrönte Stute 2006 eingeschläfert worden. Doch ihr Besitzer wollte das Ableben eines der wertvollsten Polopferde der Welt nicht hinnehmen.

Kurzerhand liess Adolfo Cambiaso Hautzellen dessen einfrieren. Der reiche Texaner Alan Meekere half dem Polostar schliesslich dabei, Cuartetera zu neuem Leben zu erwecken. Die ersten Klone entstanden über die gemeinsame Firma Crestview in den USA.

Polospieler auf galoppierendem Pferd im Feld, Zuschauer im Hintergrund.
Legende: Der erste Klon der legendären argentinischen Polostute wurde 2010 geboren. Bild: Adolfo Cambiaso beim Polospiel auf einer Cuartetera. Getty Images/Latin Content/Guillermo Gallardo

2016 trat Cambiaso beim traditionsreichen Palermo Open mit einem Team an, das ausschliesslich aus Cuartetera-Klonen bestand. «Das Temperament, ihre Reaktionen, einfach alles. Es ist beeindruckend, wie ähnlich sie dem Original sind», erklärte er gegenüber der «NZZ».

Schliesslich wurde die Klontechnik direkt nach Argentinien gebracht, wo heute im grossen Stil Klonpferde in Laboren herangezüchtet werden.

Ställe voller Klone

Rein sportliche Interessen verfolgt Cambiaso jedoch nicht. Mit seinen Pferdeklonen betreibt er inzwischen ein Millionengeschäft. Schon 2010 wurde eine Cuartetara für die Rekordsumme von 800'000 US-Dollar versteigert, im zarten Alter von drei Monaten.

Für das Klonen benötigt man zunächst eine Eizelle von einer Spenderstute. Diese wird dann «entkernt», also quasi die Erbmasse entnommen. Auf der anderen Seite werden dem zu klonenden Tier Fibroblasten entnommen, also Zellen des Binde- und Stützgewebes. Schliesslich wird das Erbgut in die leere Eizelle eingepflanzt. Dort reift es heran und wird dann in eine Empfängerstute transferiert, die das Fohlen austrägt.

Seit 2012 erlaubt der Weltverband für Pferdesport das Klonen von Polopferden. Heute boomt die «Serienproduktion» der Champions vor allem in Argentinien. Ein extrem lukratives Geschäft, in dem Hunderte Klone pro Jahr produziert werden.

Erhalt von wertvollem Erbgut

Das erste Klonpferd überhaupt kam 2003 auf die Welt, wie der Veterinärmediziner Dominik Burger schildert: «Damals ging es vor allem darum, dass man Zuchttiere reproduzieren wollte.»

Wertvolle Hengste wurden vervielfacht, damit sie noch mehr Fohlen zeugen konnten. Oder auch kastrierte Tiere – also Wallache – sollten so für die Zucht zurückgebracht werden.

Bei jedem Lebewesen ist ein Teil genetisch bedingt und der andere wird durch Umweltfaktoren bestimmt.

«Schliesslich entstand die Überlegung, dass man auch erfolgreiche Sportpferde vervielfachen konnte», sagt Burger. In Argentinien, dem Mekka des Polos, jagten sie bald einmal dem Ball hinterher. Doch auch für den Dressur- oder Springsport werden Pferde geklont.

Eine Einschränkung gibt es allerdings: Die Tiere teilen zwar im Wesentlichen den genetischen «Bauplan» des Originals. Absolut identische Tiere sind es aber nicht, wie Burger ausführt: «Bei jedem Lebewesen ist ein Teil genetisch bedingt und der andere wird durch Umweltfaktoren bestimmt.»

Besonders erfolgversprechend wäre Klonen im Pferderennsport. Dort ist es allerdings verboten. «Bei Rennpferden wird der genetische Einfluss auf 60 Prozent beziffert», sagt der Veterinärmediziner. «Bei Springpferden beträgt er aber nur etwa 20 bis 25 Prozent.»

Tierrechtlich und ethisch umstritten

Burger selbst sieht das Klonen von Pferden kritisch. Zum einen wegen des Tierwohls. «Häufig kommt es zu Aborten, Missbildungen und Fehlgeburten.» Viele der Tiere sterben, auch bereits als Fötus. Dazu kommt für Burger die ethische Dimension: «Die Würde eines Tieres wird schwer angetastet, indem man es einfach vervielfacht.»

Generell seien die Züchter in Europa weit restriktiver eingestellt als in Übersee. Und eine Klonindustrie, wie es sie heute in Argentinien gibt, ist für Burger gerade auch in der Schweiz undenkbar. «Hier wird nicht geklont und es gibt auch niemanden, der das machen möchte.»

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