Fahren lernen mit dem Privatauto? Das wird zunehmend schwierig

- Viele moderne Autos dürfen in der Schweiz nicht für Lernfahrten genutzt werden, weil die Handbremse für Begleitpersonen nicht erreichbar ist.
- Laut einer «Streetlife»-Auswertung bieten 75 Prozent der in der Schweiz vertretenen Automarken kein einziges zulässiges Lernfahrt-Modell an.
- SVP-Nationalrat Mike Egger will Artikel 27 der Verkehrsregelnverordnung überprüfen lassen, um die Vorschrift der modernen Fahrzeugtechnik anzupassen.
Im Auto von Mama oder Papa die ersten Kilometer am Steuer zurücklegen: Private Lernfahrten sind in der Schweiz weit verbreitet. Doch je nach Fahrzeug können Begleitperson und Lernfahrende in einen rechtlichen Graubereich geraten, wie «Streetlife» berichtet.
Viele moderne Autos auf Schweizer Strassen dürften nämlich gar nicht für Lernfahrten genutzt werden. Die Verkehrsregelnverordnung VRV schreibt in Artikel 27 Absatz 2 vor: «Der Begleiter muss wenigstens die Handbremse leicht erreichen können.»
Grossteil der Automarken hat kein geeignetes Modell
Genau diese Vorgabe wird zunehmend zum Problem: Bei vielen modernen Fahrzeugen wurde die traditionelle Handbremse durch eine elektrische Parkbremse ersetzt. Deren Bedienung befindet sich häufig nicht mehr in der Mittelkonsole, sondern links neben dem Lenkrad – und ist für die Begleitperson damit nicht erreichbar. Auch darf die Notbremsung nicht durch das Gaspedal übersteuert werden.
Eine Auswertung von «Streetlife» zeigt: Nur 11 Prozent der in der Schweiz vertretenen Automarken führen uneingeschränkt geeignete Modelle für Lernfahrten. Bei weiteren 14 Prozent kommen lediglich ein bis drei Modelle infrage. Ganze 75 Prozent der Marken bieten hingegen aktuell kein einziges Fahrzeug an, das die Vorgaben für Lernfahrten erfüllt.
Was hältst du davon, dass viele moderne Autos für Lernfahrten kaum noch geeignet sind?
«Thema geniesst keine hohe Priorität»
«Wir haben das Bundesamt für Strassen schon vor Jahren auf dieses Dilemma aufmerksam gemacht. Das Thema geniesst anscheinend aber keine hohe Priorität, denn passiert ist bis jetzt wenig», sagt Thomas Rücker vom Verband der Schweizer Importeure Auto-Schweiz gegenüber «Streetlife».
Rücker betont, der Umgang mit Assistenzsystemen werde im Strassenverkehr immer wichtiger und müsse deshalb auch in der Fahrausbildung stärker berücksichtigt werden. Es sei widersinnig, wenn Lernende ausgerechnet während ihrer Ausbildung auf ältere Fahrzeugtechnik ausweichen müssten.
Politiker will Artikel prüfen lassen
Als Lösung zieht Rücker eine neutralere Formulierung des betroffenen Artikels in Betracht. Mit Blick auf die für 2028 geplante Revision der Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge VTS setzt sich Auto-Schweiz beim ASTRA für eine abgestimmte Überarbeitung der Vorschriften ein.
Wissen über Assistenzsysteme wird geprüft
Seit vergangenem Jahr gehören Kenntnisse zu Assistenzsystemen auch zur Fahrausbildung. Personen, die den Führerschein machen wollen, in der Theorieprüfung beweisen, dass sie die Unterschiede zwischen Fahrerassistenz- und Automatisierungssystemen kennen. Konkret müssen sie die drei Auswirkungen verstehen: «informierend und warnend», «kontinuierlich unterstützend» und «temporär eingreifend».
Am Tag der praktischen Fahrprüfung werden die Kandidatinnen und Kandidaten geprüft, ob sie die Fahrerassistenzsysteme kennen, die im Auto eingebaut sind. Dann müssen sie diese vor dem Prüfer korrekt anwenden. Zuletzt müssen sie zeigen können, dass sie die Grenzen und Risiken der Systeme kennen.
Hast du deine ersten Fahrversuche im Auto deiner Eltern gemacht? Oder bist du gerade dabei, den Führerschein zu machen, und kannst das Familienauto wegen der Handbremse nicht für Lernfahrten nutzen?
Wir möchten von dir wissen: Hast du schon einmal Probleme bei privaten Lernfahrten erlebt? Findest du die Vorschrift sinnvoll oder längst überholt? Schreibe deine Erfahrungen unten ins Formular.
Alessia Rambaldi (ram), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin am Newsdesk.
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