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Sunday, October 11, 2026

Tabak in Australien – Immer weniger Raucher in Australien – aber grösserer Schwarzmarkt

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In Kings Cross in Sydney, dem Rotlichtviertel mit Leuchtreklamen und Nachtclubs, stösst man immer mal wieder auf einen Tabakladen. Eine Schachtel Zigaretten kostet hier mindestens umgerechnet 25 Franken. Doch wer fragt, dem hilft der Verkäufer mit einem Griff unter den Ladentisch: illegale Zigaretten für weniger als zehn Franken.

Rund 80 Prozent des Tabakhandels in Australien seien in der Hand krimineller Organisationen, klagt die Polizei fast jede Woche. Es gab Brandanschläge zwischen rivalisierenden Banden und in Melbourne kam es sogar zu Morden. Und dem Staat gehen Steuereinnahmen in Milliardenhöhe verloren. Der Arzt Alex Wodak ist nicht überrascht. Solange die Nachfrage nach Nikotinprodukten bestehe, werde dieser Markt beliefert – legal oder illegal, wie die Geschichte zeige.

Drei Zigaretten mit Gesundheitswarnungen.
Legende: Obwohl die Anti-Rauch-Kampagne in Australien gute Ergebnisse zeigt, wird sie kritisiert. Denn der Schwarzmarkt boomt. Keystone/Dr Aaron Drovandi/Archiv/2019

Die Heroinkrise vor 40 Jahren in der Schweiz und in anderen Ländern habe einen gelehrt, Respekt vor starken Marktkräften zu haben. «Die Gesellschaft hat damals lernen müssen, dass man nicht einfach so tun kann, als ob es keine Nachfrage nach Drogen gäbe», so der Arzt.

Fixerstübli eingeführt

Wodak ist der führende Suchtexperte Australiens. In den 1990er-Jahren hatte er in Kings Cross den ersten legalen Injektionsraum für Heroinsüchtige eingeführt, dem Modell des Gassenzimmers der Stadt Zürich folgend. Der Arzt ist einer der lautesten Kritiker der harten australischen Anti-Tabak-Politik, obwohl sie Erfolg zeigt.

In den letzten 15 Jahren hat sich die Zahl der Raucher und Raucherinnen in Australien mehr als halbiert. 2022 rauchten noch 8.3 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren täglich. Heute sind es 5.6 Prozent, so offizielle Statistiken. Raucherinnen und Raucher sind gesellschaftlich ausgegrenzt. Fast überall in der Öffentlichkeit ist das Rauchen verboten.

Australien war einst das globale Vorbild für den Kampf gegen Tabak. Die Verbotspolitik ist aber schiefgelaufen.

Doch angesichts der Kriminalisierung des Tabakmarktes wächst die Kritik an der rigiden Strategie der Regierung. Die unabhängige Abgeordnete Allegra Spender sagte im australischen Parlament: «Australien war einst das globale Vorbild für den Kampf gegen Tabak. Die Verbotspolitik ist aber schiefgelaufen.»

Vapes nur mit Arztzeugnis

Der Experte Wodak sieht vor allem das Verbot von Vapes und anderen nicht auf Verbrennung basierenden Formen des Nikotinkonsums als Problem. Vapes darf man in Australien nur mit ärztlichem Zeugnis kaufen. Nikotinbeutel, also kleine tabakfreie Päckchen, gefüllt mit Pflanzenfasern, Aromen und Nikotin, sind seit Juli illegal. Wodak fürchtet eine Wiederholung der Erfahrung mit Tabak, nämlich die Übernahme einer Industrie durch Kriminelle.

Wenn süchtige Menschen die Wahl haben, entscheiden sich die meisten für kontrollierte Drogen und eine sichere Form des Konsums.

Der Experte plädiert für einen offenen Umgang mit Tabak-Ersatzprodukten. Sie erlaubten Nikotinsüchtigen den Ausstieg aus dem Zigarettenkonsum. Denn der Rauch aus der Verbrennung von Tabak sei um einiges gefährlicher für die Gesundheit als etwa der Dampf von Vapes. Andere Expertinnen und Experten weisen aber darauf hin, dass Vapes eine Einstiegsdroge sein können und die Gesundheit ebenfalls gefährdeten.

Laut Alex Wodak hätten die Erfahrungen aus der Vergangenheit aber eines klar gezeigt: «Wenn süchtige Menschen die Wahl haben, entscheiden sich die meisten für eine kontrollierte Droge und eine sichere Form des Konsums», so Wodak. Doch davon will die Regierung zumindest vorerst nichts wissen.

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