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Sunday, October 25, 2026

Toter nach Konzert: Verhafteter ist Blood-and-Honour-Nazi

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  • Der bei einer Party in Tuggen SZ getötete Deutsche wurde wohl Opfer rechtsextremer Gewalt
  • Ein 42-jähriger Schweizer sitzt in U-Haft – er gehört zur Neonazi-Organisation Blood and Honour
  • Augenzeugen berichten von einer Gruppe hochaggressiver Rechtsextremen
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Fabian EberhardStv. Chefredaktor SonntagsBlick

Hitlergrüsse, Neonazi-Rock – und ein toter junger Mann (†27): Was geschah in der Samstagnacht vor einer Woche im Tuggener Ausgehlokal Bandits?

«Wir waren ohne Schutz, hilflos und haben bei den Securitys um Unterstützung gebettelt», schreibt ein junger Mann, der dabei war, auf Facebook. «Die Mutter des Toten im Arm, während die Täter zu Landser weitertanzten.»

Neonazis provozierten mit Hitlergrüssen

Recherchen von SonntagsBlick zeigen, wie dramatisch der Abend in Tuggen SZ verlief. Und liefern neue Details zum mutmasslichen Täter: einem langjährigen Neonazi des Netzwerks Blood and Honour. Bewahrheiten sich die Augenzeugenberichte, ist der Verstorbene das erste öffentlich bekannte Todesopfer von rechtsextremer Gewalt in der Schweiz seit Jahrzehnten.

Dabei begann der Abend friedlich. Gitarrenriffs der deutschen Oi-Band Krawallbrüder schepperten durch die Halle, die Menge grölte zu den eingängigen Deutschrock-Liedern. Dann kam es zum Tumult. Eine Gruppe von Neonazis provozierte mit Hitlergrüssen und rempelte andere Konzertbesucher an. Die meisten im Publikum waren unpolitisch, einige aus dem linken Lager – die Oi-Szene ist gespalten.

Rechtsextremist sitzt in U-Haft

Die Störer wurden von Securitys aus dem Saal geworfen, sollen aber kurz darauf wieder aufgetaucht sein. An der Afterparty nach Mitternacht dann die Eskalation: Der DJ legte auf Wunsch von Neonazis einen Song der rechtsextremen Band Landser auf. Wieder Hitlergrüsse, wieder Rempeleien. Als andere Personen einschritten, entwickelte sich eine Schlägerei, bei der ein Deutscher mit einem Faustschlag niedergestreckt wurde. Die Rega flog ihn ins Spital, wo er kurz darauf starb.

Keine 24 Stunden später verhaftete die Polizei einen 42-jährigen Schweizer. SonntagsBlick weiss: Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Schwyz ordnete Untersuchungshaft für mindestens drei Monate an. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen vorsätzlicher Tötung. Das heisst: Der Mann steht im Verdacht, den 27-jährigen Deutschen absichtlich oder zumindest wissentlich und willentlich getötet zu haben.

«Frauen wurden verprügelt»

Mehrere Quellen bestätigen gegenüber SonntagsBlick, dass es sich beim verhafteten Mann um ein langjähriges Mitglied des in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerks Blood and Honour handelt. Er war mit Kameraden am Konzert und gehörte zur Gruppe, die mit rechtsextremen Gesten provozierte.

Der Konzertbesucher auf Facebook schreibt: «Frauen wurden verprügelt, die ihren Männern Hilfe leisten wollten. Mehrere friedfertige Oi-Kollegen verletzt, während die Securitas zuschaute.» Überprüfen liessen sich diese Aussage nicht.

Die politischen Hintergründe der involvierten Personen seien Teil der laufenden Ermittlungen, sagt die Staatsanwaltschaft. Details geben die Fahnder nicht preis. Nur so viel: Es sei zu einer Auseinandersetzung zwischen fünf bis zehn Personen gekommen. «Mutmasslich deshalb, weil mehrere der anwesenden Personen den Hitlergruss gezeigt haben.»

Verbindungen zur Terrorzelle NSU

Welche radikalen Kreise an jenem Abend in Tuggen aufmarschierten, zeigt eine brisante Personalie: Mit dabei war offenbar auch Neonazi R. M.* (55), Spitzname Manole. Er pflegte engste Verbindungen zur rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), die in Deutschland zwischen 2000 und 2007 neun Migranten und eine Polizistin ermordete.

Deine Recherche-Hinweise

Haben Sie Hinweise zu brisanten Geschichten? Schreiben Sie uns: recherche@ringier.ch

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M. war unter dem Decknamen «Primus» knapp zehn Jahre als «V-Mann» für den deutschen Verfassungsschutz in der Region Zwickau in Sachsen tätig. Laut Zeugenaussagen beschäftigte er dort zwischen 2000 und 2001 sowohl Beate Zschäpe als auch Uwe Mundlos, beide Teil des NSU-Kerntrios. Später flüchtete er in die Schweiz. 2016 lehnten die hiesigen Behörden ein Auslieferungsgesuch Deutschlands ab.

M. lebt heute im Sarganserland. Auch er war Teil des Blood-and-Honour-Netzwerks. Am Sonntag, einen Tag nach dem Konzert in Tuggen, gab er dem Klub Bandits in einer Google-Bewertung fünf Sterne und schrieb dazu: «War eine fette Party gestern».

Neonazi-Aufmarsch war kein Zufall

Der Aufmarsch der gewalttätigen Neonazis an jenem Abend in Tuggen ist kein Zufall. Die Region am oberen Zürichsee ist seit Jahren eine Hochburg von Blood and Honour in der Schweiz. Auch das Ausgehlokal Bandits ist bei Rechtsextremisten beliebt.

Bilder, die SonntagsBlick vorliegen, zeigen Gäste mit Blood-and-Honour-Pullovern schon in früheren Jahren, darunter auch Kaderleute aus dem Ausland. Der Ausgehort sei ein bekannter Treffpunkt der Rechtsextremen, sagen mehrere Leute aus der Region, die aus Angst nicht namentlich genannt werden wollen.

Nach rechtsextremen Übergriffen 2014 beteuerte ein Betreiber des Bandits gegenüber SonntagsBlick, dass man regelmässig Probleme mit Neonazis gehabt habe. Damals sagte er: «Inzwischen verfügt unsere Security über eine Blacklist – Leute, die darauf stehen, kommen nicht mehr in den Klub.»

«Unser Mitgefühl gilt seiner Familie»

Am Dienstag meldeten sich die Verantwortlichen des Bandits auf Instagram zu Wort: «Mit grosser Bestürzung und tiefer Trauer haben wir vom tragischen Tod eines Menschen erfahren, der zuvor bei uns zu Gast war. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freunden und allen, die ihm nahestanden.»

Das Opfer war gemäss SonntagsBlick-Informationen zusammen mit seiner Mutter und zwei Freundinnen am Krawallbrüder-Konzert. Ein Bekannter von ihm sagt, dass er kein besonders politischer Mensch gewesen sei. Mehr ist über den jungen Mann derzeit nicht bekannt.

Die Band äusserte sich am Dienstag in einem Statement: «Im Laufe des Abends fielen vier Gäste auf, die u. a. Shirts mit der Aufschrift ‹Blood & Honour Zürich› trugen. Die Security verwies diese auf unseren Hinweis und unsere Aufforderung hin umgehend der Halle.»

Band distanziert sich von Rechtsextremen

Als es zur tödlichen Schlägerei kam, waren die Bandmitglieder nicht mehr vor Ort. Von einer Aftershowparty hätten sie keine Kenntnis gehabt. In den Kommentarspalten auf Social Media machen Insider aus der Oi-Szene aber auch den Krawallbrüdern Vorwürfe. Obwohl sich diese wiederholt von rechtsextremem Gedankengut distanziert haben, hätten an ihren Konzerten immer wieder Rechtsextreme mitgefeiert. Szenekenner ordnen die Band der sogenannten Grauzone zwischen Skinhead-Punk und dem rechtsextremen Spektrum zu.

Neonazis feierten Hitlers Geburtstag

Mit dem Vorfall in Tuggen dürfte das internationale Blood-and-Honour-Netzwerk einmal mehr in den Fokus der Sicherheitsbehörden rücken. Viele seiner Schweizer Mitglieder sind mittlerweile um die 40, einige haben Kinder – laut Insidern auch der Täter.

Zuletzt sorgte die Organisation für Schlagzeilen, als sich im April knapp 150 Anhänger zu einem Geheimkonzert in Thusis GR trafen. Dort feierten die Extremisten den Geburtstag ihres Idols: Adolf Hitler.

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