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Monday, September 14, 2026

Nackt-Werbung für Sportwetten: Sydney Sweeney erzürnt Athletinnen

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Mal sitzt sie nackt auf einem Basketballkorb, mal bedeckt sie ihren Intimbereich nur mit einem Football: Schauspielerin Sydney Sweeney (29) wirbt mit viel nackter Haut für die amerikanische Sport-Trading-App Novig, auf der Erwachsene Prognosen zu Sportergebnissen handeln können. Der kurze Clip mit dem Slogan «Just Sports» sorgt bei Sportlerinnen weltweit für Kritik. Sie werfen der Kampagne vor, Frauen im Sport erneut über ihren Körper statt über ihre Leistung zu inszenieren.

Nicht gegen Sweeney, sondern gegen das Frauenbild

«Das Problem ist nicht die Nacktheit. Das Problem sind der Kontext und der Zweck dahinter», sagt die deutsche Leichtathletin Mai-Brit Vaupel (26) gegenüber 20 Minuten. Was sie an der Kampagne besonders stört: «Anstatt den Sport, die Leistung oder die Athletinnen in den Mittelpunkt zu stellen, nutzt sie einen stark sexualisierten weiblichen Körper als zentralen Blickfang.»

Für Vaupel trifft das einen wunden Punkt. «Sportlerinnen kämpfen seit Jahren dafür, für ihre Leistungen und nicht in erster Linie für ihr Aussehen anerkannt zu werden.» Genau deshalb empfinde sie diese Art von Marketing im sportlichen Kontext als «unglaublich überholt und schädlich».

Ihre Kritik richtet sich dabei nicht in erster Linie gegen Sweeney persönlich. «Sydney Sweeney ist eine erwachsene Frau und natürlich frei darin zu entscheiden, wie sie sich präsentiert und an welchen Kampagnen sie teilnimmt», sagt Vaupel. Gleichzeitig bedeute persönliche Entscheidungsfreiheit nicht, «dass diese Entscheidungen oder die dahinterstehenden Marketingstrategien nicht kritisiert werden dürfen».

Was sie sich stattdessen wünscht, formuliert Vaupel klar: Frauen im Sport sollten «als Athletinnen, Wettkämpferinnen, Persönlichkeiten und Profis» gezeigt werden. Sexualität dürfe dabei durchaus Platz haben. Sie solle aber nicht ständig «als der wirksamste oder naheliegendste Weg behandelt werden, um Frauen vermarktbar zu machen».

Findest du sexualisierte Werbung im Sport problematisch?

«So sehen Frauen im Sport wirklich aus»

Neben Vaupel kritisieren zahlreiche weitere Sportlerinnen den Clip auf Social Media. «Ich kann gar nicht beschreiben, wie wütend mich das macht», beginnt die vierfache australische Olympiasiegerin Ariarne Titmus in ihrer Story auf Instagram. «Es ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht für jede Frau, die ihr Leben der Perfektionierung ihres sportlichen Handwerks gewidmet hat – sondern auch für jede Frau, die Sport dafür geniesst, was es wirklich ist: Teamwork, Freundschaft, Hingabe.»

Die englische Sprinterin Amy Hunt findet nach ihrem Sieg am Sonntag im Live-TV ebenfalls deutliche Worte: «Sydney Sweeney, so sehen Frauen im Sport wirklich aus: Muskeln, Schweiss und harte Arbeit.»

Viele belassen es nicht nur bei Worten. Sie posten Aufnahmen aus ihrem eigenen Sportalltag: beim Training oder Wettkampf. Also eben genau das, was viele von einer Werbung mit dem Slogan «Just Sports» eigentlich erwarten würden.

«Nicht schuld am Patriarchat – aber Teil des Problems»

Auch die deutsche Aktivistin und Feministin Alina Kuhl kritisiert die Kampagne. Für sie geht die Debatte weit über einen misslungenen Werbespot hinaus. Sportlerinnen kämpften seit Jahrzehnten darum, ernst genommen zu werden, sagt sie in einem Video. «So sieht Frauensport ganz sicher nicht aus.»

Sweeney allein sei zwar weder «schuld am Patriarchat noch am Kapitalismus». Trotzdem spiele sie mit der Kampagne bewusst in ein Frauenbild hinein, gegen das andere seit Jahren ankämpften. Besonders kritisch sieht Kuhl den Gegensatz zum politischen Klima in den USA: Während queeren und trans Menschen von konservativer Seite immer wieder vorgeworfen werde, Kinder und Jugendliche zu sexualisieren, werde eine stark sexualisierte Werbung wie diese problemlos ausgespielt.

So reagiert Sweeney auf die Kritik

Auf die Kritik hat sich Sweeney bisher noch nicht direkt geäussert. Einen Tag nach Veröffentlichung teilte die US-Amerikanerin in ihrer Instagram-Story jedoch mehrere Bilder aus der berühmten «Body Issue» von ESPN. Darauf sind zahlreiche nackte Spitzensportlerinnen und Spitzensportler zu sehen, darunter Tennislegende Serena Williams, UFC-Star Ronda Rousey, NFL-Spieler Rob Gronkowski und NBA-Champion Karl-Anthony Towns.

Sweeney ist übrigens nicht nur das prominente Gesicht der Werbung. Die Schauspielerin ist als strategische Partnerin bei Novig eingestiegen und hält Anteile am Unternehmen.

Nicht Sweeneys erster Skandal

Es ist nicht die erste Werbekampagne mit Sweeney, die weit über das beworbene Produkt hinaus diskutiert wird. 2025 sorgte ihre Zusammenarbeit mit der Modemarke American Eagle für Schlagzeilen. Die Kampagne spielte mit den ähnlich klingenden englischen Begriffen «jeans» und «genes» (deutsch: Gene) und thematisierte vererbte Merkmale wie Haar- und Augenfarbe. Kritikerinnen und Kritiker interpretierten das als Anspielung auf Eugenik. American Eagle wies diese Deutung zurück und erklärte, es sei immer ausschliesslich um Jeans gegangen. Sweeney sagte später, ihr Schweigen während der Kontroverse habe die gesellschaftlichen Gräben noch vergrössert, und betonte, dass sie Hass ablehne.

Carolina Lermann

Carolina Lermann (ler) arbeitet seit Mai 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin für Body & Soul im Lifestyle-Ressort und schreibt über Erziehung, Sport und Psychologie.

Nils Hänggi

Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredakteur und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.

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