Hunderttausende protestieren in Frankreich - neue Unruhen
Stand: 24.10.2026 • 15:33 Uhr
Eine Woche nach den schweren Ausschreitungen in Frankreich finden heute erneut große Demonstrationen statt. Bis zum frühen Nachmittag gab es mehr als 100 Festnahmen. 70.000 Ordnungskräfte sind im Einsatz.
Zu Beginn des Protesttages in Frankreich haben die Behörden zahlreiche Kontrollen durchgeführt und bis 13 Uhr 135 Menschen festgenommen. Nach Angaben des französischen Innenministers Laurent Nuñez kam es in der ersten Tageshälfte aber zu keinen größeren Zwischenfällen.
In der Region Paris gab es nach Angaben des Ministers mehr als 1.000 Kontrollen. Dabei seien viele gefährliche Gegenstände sichergestellt worden - Boule-Kugeln, Schleudern und auch eine Softair-Waffe. Die Kontrollen seien "extrem produktiv", sagte Nuñez. Man bleibe äußerst vorsichtig und sei noch weit vom Ende des Tages entfernt.
Vor Beginn der großen Demonstrationszüge, die am Nachmittag starteten, habe man 35.000 Menschen im öffentlichen Raum gezählt, so der Innenminister. Am vergangenen Samstag seien es zu der Zeit 60.000 Menschen gewesen. Nuñez wies darauf hin, dass es ein deutlich verstärktes Polizeiaufgebot gebe. Zuvor hatte er den Einsatz von 70.000 Beamten auf den Straßen angekündigt.
Versammlungsverbote in mehreren Städten
Seit Wochen demonstrieren in Frankreich Schüler und Studenten für eine bessere Ausstattung von Schulen. Ihnen haben sich weitere Gruppen angeschlossen, die unter anderem gegen zu hohe Lebenshaltungskosten auf die Straße gehen. Wegen befürchteter Ausschreitungen und Plünderungen, wie es sie am vergangenen Wochenende am Rande der Kundgebungen gegeben hatte, wurden in mehreren Städten Versammlungsverbote für bestimmte Zonen sowie Ausgangssperren erlassen.
Erlaubt würden Kundgebungen, die von den Organisatoren mit einem Ordnungsdienst begleitet werden, "und unter der Voraussetzung, dass sie natürlich nicht an Orten stattfinden, an denen es zu Plünderungen, Störungen der öffentlichen Ordnung und Ähnlichem kommen könnte", hatte Innenminister Nuñez angekündigt.
In Marseille genehmigte die Präfektur ausnahmsweise eine Gewerkschaftsdemonstration, nachdem sie zunächst alle Versammlungen verboten hatte. In Lyon sind Demonstrationen in weiten Teilen der Innenstadt verboten. In Nizza, wo laut Präfektur alle Versammlungen verboten sind, werden Polizeikräfte, Gendarmen und Spezialeinheiten im Stadtzentrum eingesetzt.
Parteitag des Rassemblement National in Orléans
Ein besonderes Augenmerk in der angespannten Lage im Land liegt auf der Stadt Orléans, wo am Wochenende der Parteitag des rechtsnationalen Rassemblement National (RN) stattfindet. Laut Präfektur fanden sich dort zur Mittagszeit 11.000 Menschen ein, um gegen die Partei zu demonstrieren. 3.000 Sicherheits- und Rettungskräfte wurden demnach mobilisiert.
RN-Chef Jordan Bardella stellt sich heute ohne Gegenkandidaten zur Wiederwahl. Am Sonntag steht eine Rede von RN-Fraktionschefin Marine Le Pen auf dem Programm. Mit dem Auftritt vor rund 10.000 Anhängern will sie offiziell ihren Präsidentschaftswahlkampf eröffnen.
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