Huthi-Vormarsch: Was droht dem globalen Ölhandel?
Die Huthi-Miliz kontrolliert die für den Welthandel wichtige Meerenge Bab al-Mandab. Was das bedeutet, ordnet ZDFheute live mit dem Nahost-Experten Hans-Jakob Schindler ein.
13.09.2026 | 16:46 minDie Huthi-Rebellen haben bei ihrer Offensive im Jemen laut der jemenitischen Regierung die gesamte Küste des Landes am Roten Meer unter ihre Kontrolle gebracht und sollen auch die für den Ölhandel wichtige Meerenge Bab al-Mandab kontrollieren können. Damit und mit Drohnenangriffen setzt die Miliz zudem das verfeindete Saudi-Arabien massiv unter Druck.
Was bedeutet das für die Stabilität der Nahost-Region, den Huthi-Kriegsgegner Saudi-Arabien und die weltweite Versorgung mit Öl sowie weiteren Gütern? Das erklärt Nahost- und Sicherheitsexperte Hans-Jakob Schindler bei ZDFheute live.
Sehen Sie oben das ganze Interview im Video und lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Schindler ...
... zu den Folgen der Eskalation für den Ölmarkt
Da durch die angespannte Lage an der Straße von Hormus infolge des Kriegs zwischen USA und Iran das Königreich Saudi-Arabien bereits Probleme mit der Ölverschifffung gehabt habe, gefährde die Eskalation mit den Huthi-Rebellen und eine mögliche Blockade der Meerenge Bab al-Mandab nun die Exportfähigkeit Riads noch stärker.
Für die saudischen Ölexporteure ist es eine extrem diffizile und komplizierte, eigentlich nicht lösbare Situation. Deswegen massive Militärangriffe, auch heute wieder auf die Huthis, um sie zurückzudrängen.
Hans-Jakob Schindler, Nahost- und Sicherheitsexperte
Schindler betont zudem, dass weder in der Straße von Hormus noch in der Meerenge Bab al-Mandab die militärische Situation das vorrangige Problem für die Schifffahrt sei, sondern eher die Frage nach der Risikobereitschaft der Schiffsversicherer und die enorm gestiegenen Versicherungskosten.
Auch in Deutschland zeigten sich bereits jetzt die Auswirkungen der Auseinandersetzung, da die Ölpreise auf dem Weltmarkt auch der Richtpreis für die deutschen Ölkonzerne seien - und saudisches Öl einen wichtigen Faktor für den globalen Markt darstelle. "Wenn das saudische Öl dann vom Markt genommen ist, dann gehen die Ölpreise nach oben", sagt Schindler.
Zudem griff die mit Iran verbündete Miliz saudiarabische Ölanlagen mit Drohnen und Raketen an. Die Abschaltung einer wichtigen Pipeline dürfte den Ölpreis weiter steigen lassen.
12.09.2026 | 2:17 minZudem gebe es nicht viele alternative Ölverkäufer - und Öl von anderen Exporteuren, wie es die USA zum Beispiel sein könnten, sei deutlich teurer. Einen kleinen Lichtblick erkennt Schindler in der Straße von Hormus, wo der Schiffsverkehr durch den Geleitschutz des US-Militärs zuletzt "stetig angestiegen" sei.
Entwicklung des Ölpreises
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... über die Auswirkungen für den weltweiten Warenverkehr
Die "einzige gute Nachricht in diesem Drama" ist laut Schindler, dass andere Rohstoffe und Fertigprodukte aus Asien in so großen Massen transportiert würden, dass Verbraucher in Deutschland selbst bei einer Umleitung des Schiffsverkehrs über längere Routen nur geringe Auswirkungen spüren würden.
"Da geht es dann um ein, zwei Cent in den Preisen nach oben", sagt Schindler. Probleme seien daher vor allem bei der Öl- und Gasversorgung zu erwarten, insbesondere mit steigenden Preisen sei zu rechnen.
Wie sind Öl und Gas auf dem Globus verteilt, welche Länder fördern am meisten und wie funktioniert die Verteilung? Ein Überblick über die Rohstoffe im Grafikvideo.
17.04.2026 | 1:34 min... über das Verhältnis zwischen Huthi-Miliz und Iran
"Die Huthis machen, was den Huthis gut tut", sagt Schindler und verweist darauf, dass die Miliz in erster Linie eigene Interessen vertrete. Die Kooperation mit Iran habe sich erst rund um den Beginn der saudi-arabischen Intervention im Jemen entwickelt. Die Miliz erhalte seither Waffen, Geld und Ausbildung durch die Revolutionsgarden - allerdings nur in dem Maße, um den Krieg im Land fortführen zu können und nicht, um den Krieg für sich entscheiden zu können, sagt Schindler.
Darum geht es den Huthis: Also primär um sich selbst und dann sekundär um ihren jetzt erst seit 2015 wirklich existierenden Patron, Islamische Republik Iran.
Hans-Jakob Schindler, Nahost- und Sicherheitsexperte
Nach Drohnenangriffen wurde Saudi-Arabiens Ost-West-Pipeline abgeschaltet. Sie umging die Straße von Hormus. Der Vormarsch der Huthi-Miliz gefährdet nun auch die Route über das Rote Meer.
12.09.2026 | 1:41 minIn der Hierarchie der iranischen Verbündeten in der Region, den sogenannten Proxys, stünden die Huthis hinter der libanesischen Hisbollah-Miliz und der Hamas im Gazastreifen.
... zum Verhalten der USA und den Optionen für Saudi-Arabien
Die zurückhaltende Reaktion der US-Regierung auf die Bitte Saudi-Arabiens nach Unterstützung gegen die Huthi-Miliz erklärt Schindler damit, dass Probleme entlang der Handelsroute durch das Rote Meer - zwischen Suezkanal und Bab al-Mandab - zunächst vor allem den Handel zwischen Asien und Europa treffen würden. Zudem gibt er zu bedenken:
So kurz vor den Zwischenwahlen im November scheint es offensichtlich zu sein, dass die US-Administration nicht nochmal einen zweiten militärischen Konflikt in der Region aufmachen will.
Hans-Jakob Schindler, Nahost- und Sicherheitsexperte
Daher müsse man abwarten, wie sich die Lage über die Zeit entwickele und wann konkrete Folgen auch in den USA zu spüren seien.
Anteil an der weltweiten Erdölförderung
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Mit Blick auf mögliche Reaktionen Saudi-Arabiens in dem Konflikt sieht Schindler als "einzige Option", die Miliz militärisch zurückzudrängen, damit diese ihre aktuell "ideale Position" entlang der Küste verliere. Momentan seien die Huthis in der Lage, jedes Schiff zu beschießen, das sie möchten.
"Wenn sie von der Insel und dem Hafen zurückgedrängt werden könnten, dann wäre die Situation ansatzweise etwas besser", sagt Schindler. In diesem Fall könne Saudi-Arabien seine Ölverladestellen und die Ost-West-Pipeline - die Riad wegen Drohnenangriffen der Huthi-Miliz vorsorglich stillgelegt hat - wieder in Betrieb nehmen.
Aber ohne militärisches Zurückdrängen haben die Huthis jetzt tatsächlich diesen Teil der saudischen Ölproduktion und Exportsituation in Geiselhaft.
Hans-Jakob Schindler, Nahost- und Sicherheitsexperte
Das Interview führte Barbara Parente - zusammengefasst hat es Lukas Wagner.
Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, etwa ZDFheute live am 13.09.2026 um 14:00 Uhr.
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