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Thursday, October 29, 2026

Liefermarkt im Umbruch – Uber Eats fährt lokale Velokuriere aus dem Markt

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Burger, Pizza, Thai-Curry – alles ist rund um die Uhr zu Tiefstpreisen lieferbar. Der Aufstieg von Uber Eats hat jedoch seinen Preis: Lokale Velokurier-Dienste geben auf und faire Arbeitsbedingungen werden mutmasslich unterlaufen.

Nicht alle halten sich an die Spielregeln. Wir verdienen fast kein Geld mehr.

«Velogourmet» gehört zum Unternehmen Kurierzentrale und war in Basel einst Marktführer bei Essenslieferungen. Doch in wenigen Monaten soll Schluss sein. Inhaber Jérôme Thiriet sagt: «Wir haben in den vergangenen fünf Jahren massive Konkurrenz von grossen, globalen Konzernen bekommen. Nicht alle halten sich an die Spielregeln. Wir verdienen im Essensbereich fast kein Geld mehr.»

Jérôme Thiriet trägt eine Velokurier-Kleidung.
Legende: Jérôme Thiriet möchte sich künftig auf Lieferungen ausserhalb des Food-Bereichs konzentrieren. SRF

Auf den Einwand, sie müssten schneller fahren und einen besseren Service bieten, antwortet er ernüchtert: «Es bringt alles nichts. Wir zahlen faire Löhne, halten die Regeln ein – wir haben keine Chance.»

Auch Gewerkschaften kritisieren Uber Eats scharf

Seit Jahren erheben auch mehrere Gewerkschaften Vorwürfe gegen Uber: Viele Fahrerinnen und Fahrer seien als Selbstständige deklariert, wodurch in zahlreichen Fällen keine Sozialbeiträge bezahlt und Mindestlohnvorgaben umgangen würden.

Person mit Rucksack und Protestplakat, unscharfes Velo im Hintergrund.
Legende: Gegen die Entlassung bei der Familie Wiesner Gastronomie (FWG) protestieren Velokuriere. KEYSTONE / Andreas Becker

«Velogourmet» ist nur eines von mehreren Beispielen. In der ganzen Schweiz haben sich etliche lokale Kurierdienste aus dem Essensbereich zurückgezogen. So hat beispielsweise «Dabbavelo» aus Zürich 2023 geschlossen. Zwei Jahre später stellte die Zürcher «Wiesner Gastronomie» den Lieferbetrieb ein. 2026 folgte mit Smood der nächste Rückzug.

Jérôme Thiriet, der auch Präsident des nationalen Verbands der Velokuriere ist, sagt: «Es ist ein schweizweiter Trend.»

«Just Eat»: Anlehnung an Geschäftsmodell von Uber Eats

Jüngst ist auch der Lieferdienst «Just Eat» mit einer Kehrtwende aufgefallen. Der Riese wollte einst der «Gute» der Branche sein – und stellte die Kurierinnen und Kuriere im Stundenlohn an. «Just Eat» scheidet zwar nicht aus dem Markt aus, hat aber entschieden, weitgehend auf selbstständige Fahrer umzustellen. Mit diesem Schritt plane das Unternehmen, die meisten der rund 700 Fahrerinnen und Fahrer zu entlassen. Damit setzt auch «Just Eat» auf das umstrittene Modell von Uber Eats. Gewerkschaften kritisieren, dass das Modell mit Selbstständigen Schwarzarbeit fördere.

Das neue Modell von «Just Eat» sieht je nach Region unterschiedliche Lösungen vor. In den Städten Zürich, Bern, Basel, Winterthur und der Ostschweiz sollen vermehrt selbstständige Kuriere fahren. Im Tessin arbeitet «Just Eat» vorwiegend mit dem Flottenpartner On Duty zusammen. In der Westschweiz sieht es anders aus: Hier sollen die Kurierinnen und Kuriere aufgrund eines Gerichtsurteils weiterhin angestellt bleiben.

In einer anonymen Strassenumfrage bestätigen einige Uber-Eats-Fahrer gegenüber SRF, dass sie als Selbstständige arbeiten würden. Einer von ihnen sagt: «Im Schnitt verdiene ich vielleicht 15 Franken pro Stunde. Das Problem sind die Flauten.»

Ein anderer ergänzt: «Ich finde die Bedingungen nicht fair. Aber es ist besser, als zu Hause zu sitzen.»

Uber verteidigt Geschäftspraxis

Auf Anfrage nimmt der Mutterkonzern Uber schriftlich Stellung und betont, dass die Einhaltung der Gesetze oberste Priorität habe.

Wir haben unsere Betriebsmodelle in jedem Kanton erfolgreich weiterentwickelt und an neue regulatorische Rahmenbedingungen angepasst.

Uber habe die Betriebsmodelle «in jedem Kanton erfolgreich weiterentwickelt und an neue regulatorische Rahmenbedingungen angepasst». Die Kurierinnen und Kuriere würden sich «klar für eine Tätigkeit als Selbstständige» aussprechen.

Greifen Behörden genügend durch?

Velokurier Jérôme Thiriet ist auch Politiker und vertritt die Grünen im Basler Kantonsparlament. Ein Vorstoss fordert, dass Basel bei Uber Eats konsequenter durchgreift.

Bei der Regulierung von Uber Eats gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Kantonen. Am konsequentesten regulieren Genf und die Waadt. Laut Gewerkschaften sind die Arbeitsbedingungen der Uber-Eats-Fahrer in diesen Kantonen etwas besser.

«Ein fairer Wettbewerb ist gut. Aber etliche Auflagen, die bei uns streng kontrolliert werden, können sie umgehen. Sie schöpfen den Gewinn nach Amerika ab – und wir sitzen am Ende auf den Sozialkosten», kritisiert Thiriet.

Behörden akzeptieren keine selbstständigen Kuriere

Michael Mauerhofer, Leiter des Bereichs Arbeitsbedingungen beim Kanton Basel-Stadt, weist diese Kritik zurück und stellt klar: «Es gibt keine kantonale und auch keine Bundesbehörde, die Uber-Eats-Fahrer als Selbstständige akzeptiert.»

Das Bundesgericht hat mehrfach festgestellt, dass Uber-Kurierinnen und -Kuriere als Angestellte gelten – und nicht als Selbstständige. Dabei würden die Kantone auf die Strategie setzen, nicht gegen einzelne Fahrerinnen und Fahrer vorzugehen, sondern direkt mit dem Konzern Uber Lösungen auszuhandeln.

Bereits zu spät?

Auch wenn die Behörden jetzt strenger durchgreifen – Thiriet glaubt, es sei zu spät. Uber Eats habe den Markt bereits weitgehend erobert, auch mit umstrittenen Mitteln. Enttäuscht zeigt sich Thiriet auch darüber, dass die Behörden kaum Lehren aus dem Verdrängungskampf in der Taxibranche gezogen hätten.

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