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Saturday, October 10, 2026

«Absoluter Wahnsinn»: Schweizer Kart-Wunderkind (5) wird gesperrt

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Seit Emily drei Jahre alt ist, fährt sie Kart. Unterdessen hat sie einen Vertrag mit einer Motorsport-Marketingfirma. Auf Instagram folgen ihr über 287’000 User (Stand 10. Oktober 2026).f1emy

Darum gehts

  • Die fünfjährige Kartfahrerin Emily aus dem Kanton Luzern wird vom Schweizer Verband Auto Sport Schweiz (ASS) bis Ende 2027 gesperrt.
  • Der Verband wirft ihr vor, im Mai illegal an einem Rennen in Italien teilgenommen und einen zu starken Kart gefahren zu haben.
  • Ihr Vater Markus Brun bestreitet die Vorwürfe und prüft weitere rechtliche Schritte – eine Berufung lehnte er wegen der Vorschusskosten von 4500 Franken ab.

Die fünfjährige Emily aus dem Kanton Luzern wird seit geraumer Zeit als «Kart-Wunderkind», «Kart-Sensation» oder als nächste Schweizer Motorsporthoffnung medial in Szene gesetzt. Nun gibts für das Kleinkind einen Karriere-Dämpfer zu verkraften, weil der Schweizer Motorsportverband Auto Sport Schweiz (ASS) ihm für ein Jahr die Lizenz entzieht.

Hintergrund der Sperre ist Emilys Teilnahme im vergangenen Mai an einem Event auf dem norditalienischen South Garda Karting Circuit. Laut dem Schweizer Verband hat Emily illegal an dem Rennen teilgenommen, weil sie bloss Inhaberin der sogenannten Puffo-Trainingslizenz ist. Jene berechtige sie «ausschliesslich zur Teilnahme an Demonstrations- und Trainingsfahrten mit Material der Kategorie Puffo». «Die Teilnahme an Rennen ist explizit ausgeschlossen», heisst es im Urteil des Verbandes. Die Veranstaltung in Italien sei rechtlich als Rennen qualifiziert.

Kart-Talent Emily von Schweizer Verband gesperrt

Hinzu komme, dass Emily mit einem Kart gefahren sei, das «wesentlich leistungsstärker» sei als für ihre Kategorie vorgesehen. «Das Abweichen von den technischen Vorgaben der Puffo-Kategorie stellte ein entsprechend hohes Gefahrenpotenzial für das Kind dar. Emily hat damit gegen mehrere gültige Bestimmungen der ASS verstossen», befindet die Disziplinarkommission des Verbandes.

Emily wird vom Schweizer Verband aus dem Verkehr gezogen.

Emily wird vom Schweizer Verband aus dem Verkehr gezogen.Instagram/f1emy

Die Kommission sieht aufgrund des jungen Alters von Emily und ihrer Unfähigkeit, die Reglemente zu lesen und zu verstehen, ihre Erziehungsberechtigten in der Hauptverantwortung. Für das Mädchen setzt es aber dennoch eine Strafe fest, weil das Internationale Sportgesetz «keine Strafminderungen für Minderjährige» vorsehe.

Verband sperrt Emily weltweit

Per sofort wird Emily ihre Puffo-Trainingslizenz entzogen. Sie werde auch bis zum 31. Dezember 2027 keine Lizenz mehr erhalten. Der Entzug und die Suspendierung von Rennen seien weltweit gültig. Obendrauf gibt es eine Busse von 2000 Franken, und die Familie von Emily trägt die Kosten des Verfahrens in Höhe von 1500 Franken.

Gegenüber dem Tages-Anzeiger» nimmt Emilys Vater Markus Brun Stellung. Zum Event in Italien sei Emily vom Organisator eingeladen worden, sagt er, «und für diesen brauchte es explizit keine Lizenz, weil es eben kein richtiges Rennen ist, das haben wir abgeklärt. Das alles ist der absolute Wahnsinn», sagt er. Die Kinder zweier seiner Freunde seien ebenfalls gefahren, aber nicht gebüsst worden, weil sie eben keine Lizenz von Auto Sport Schweiz besässen und damit nicht Mitglieder des Verbandes seien, so Brun.

Die Lizenz der Puffo-Kategorie habe er für seine Tochter nur beantragt, damit alles seinen geordneten Weg gehe. Und genau das werde ihm und Emily nun zum Verhängnis. «Wir haben Geld ausgegeben, den Antrag gestellt, waren beim Arzt und Augenarzt für Untersuchungen – und jetzt werden wir dafür bestraft», sagt Brun.

Vater verteidigt die talentierte Tochter

Emily sei indes gar nie in einem Kart dieser Puffo-Kategorie gesessen – sie habe diese übersprungen, weil das Fahrzeug ihr zu langsam gewesen sei. Auch über den Vorwurf, der in Italien eingesetzte Kart sei übermotorisiert gewesen, ärgert sich Brun: «Emily fährt seit diesem Jahr mit einem Gefährt mit einem 10-PS-Motor. Das ist erheblich schneller als dasjenige, das sie am Event fuhr.»

Wie beurteilst du die Sperre für die fünfjährige Kart-Fahrerin Emily?

Seine Tochter trainiere mit dem 10-PS-Kart, mit dem sie knapp 100 km/h erreiche, jeweils in Lyss BE.  Das wisse auch der ASS, ein Vertreter sei gar schon vor Ort gewesen, «aber gestört hat das bislang keinen Menschen». Nach ihrer ersten Fahrt mit dem schwächeren Fahrzeug beim Event in Italien habe sie gesagt: «Papi, ich bin fast eingeschlafen.»

Verband widerspricht Emilys Papa

Trotz alledem hat er auf eine Berufung innert der vorgegebenen 96 Stunden verzichtet, «weil wir mit 4500 Franken hätten in Vorkasse gehen müssen. Das kann ich mir nicht einfach so leisten», sagt der dreifache Vater.

Auto Sport Schweiz widerspricht den Aussagen von Emilys Vater dezidiert. Gegenüber dem Tagesanzeiger teilt der Verband mit, dass seine Disziplinarkommission die betreffende Veranstaltung «zweifelsfrei als Rennen qualifiziert» habe. Sämtliche reglementarischen Umstände eines Wettbewerbs seien laut gültigem Sportgesetz erfüllt.

Auch der Weltverband stützt die Sperre

«Auch wenn der Promoter den Event gegen aussen als Training verkauft – und das bereits seit Jahren systematisch. Gemäss dem Internationalen Sportgesetz des Weltverbands FIA ist für die Teilnahme an solchen Wettbewerben eine entsprechende Lizenz zwingend vorgeschrieben.»

Eine Rennlizenz würde Auto Sport Schweiz aber sowieso erst mit Beginn des achten Lebensjahres ausstellen – für Emily also erst in etwas mehr als einem Jahr. Die anderen Schweizer Fahrer seien beim Verband im Besitz der entsprechenden Lizenzen gewesen. Brun wandte sich mit dem Fall an die FIA, doch auch der Weltverband stützt das Urteil. Der Papa von Emily prüft nun weitere rechtliche Schritte, um gegen die Sperre vorzugehen.

Florian Gnägi

Florian Gnägi (flo) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten im Ressort Sport. Seine grösste Expertise hat er auf den Themengebieten Fussball und Tennis.

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