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Wednesday, October 7, 2026

"Wie soll ich hier wieder leben?" - Rückkehr an den Tatort

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Israels Regierungschef soll vor dem Terror-Angriff am 7. Oktober 2023 gewarnt worden sein und habe nichts unternommen - berichtet eine Tageszeitung. Netanjahu will sie verklagen.

10.09.2026 | 2:43 min

Am Tor des Kibbuz Kfar Aza in Sichtweite des Gazastreifens wird inzwischen genau kontrolliert. Hamas-Terroristen töteten hier vor drei Jahren 62 Einwohner.

Ayelet Kazirs Mann David war eines der ersten Opfer. Sie selbst hat den Ort drei Jahre lang gemieden. Nun will sie dorthin zurückziehen und ihren Mann in Kfar Aza ein zweites Mal beerdigen.

"Es ist sehr schwer, diesen Weg entlang zu fahren", sagt sie, nachdem sie die Kontrolle am schweren Eingangstor passiert hat. Sie zeigt im Vorbeifahren auf die Orte, wo Nachbarn und Freunde ermordet wurden. "Manchmal frage ich mich: Wie soll ich hier wieder leben?"

Zerstörte Gebäude des Kibbuz Kfar Aza nach dem Angriff der Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023. (Archiv)

Zerstörte Gebäude des Kibbuz Kfar Aza nach dem Angriff der Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023. (Archiv)

Quelle: Imago / Vojtech Darvik Maca

Angriff auf Kibbuz am 7. Oktober

Viel wurde in Kfar Aza seit jenem Tag wieder aufgebaut. Auch ihrem Haus sieht man die Spuren kaum mehr an. Im Haus stehen Kisten bereit, ausgepackt zu werden. Aber der Neuanfang muss noch warten, denn zum Jahrestag schieben sich die anderen Bilder von diesem Ort nach vorne: zerstörte und ausgebrannte Häuser, Schusslöcher an den Wänden.

Im von Israel kontrollierten Gebiet Richtung Gaza-Stadt steht kein Haus mehr – unter den Trümmern bleiben nur einige enge Hamas-Tunnel zurück. Mit der israelischen Armee unterwegs in Gaza.

24.09.2026 | 4:33 min

Am Morgen des 7. Oktobers dringen Hamas-Terroristen ungehindert in den Kibbuz ein. Israel wird an diesem Tag völlig überrascht. In den ersten Stunden des Angriffs standen in Kfar Aza 30 Verteidiger gegen fast 250 Hamas-Angreifer. Dabei soll es vorher zahlreiche Hinweise auf einen großen Angriff der Hamas gegeben haben.

Versteck im Schrank und Schutzraum

Ayelet Kazir versteckt sich zuerst in einem Schrank, dann im Schutzraum. Vier Stunden dauert der Angriff schon, als sie um viertel nach zehn ihrem Sohn schreibt, es gebe keine Armee im Ort. Noch am Abend haben sich 50 Hamas-Terroristen in den Häusern verschanzt.

Kazir versteckt sich fast 30 Stunden in ihrem Schutzraum, bis sie am folgenden Tag eine Stimme hört. "Ist hier noch jemand am Leben?", ruft diese Stimme. Kazir sagt, sie werde diesen Satz nie vergessen. "Ist hier noch jemand am Leben."

Ende Oktober wählt Israel ein neues Parlament. Der Oberste Gerichtshof musste entscheiden, ob arabische Parteien von den Wahlen ausgeschlossen werden.

01.10.2026 | 2:03 min

Vorwürfe gegen Netanjahu: Hätte Hamas-Angriff verhindert werden können?

Drei Jahre nach diesem traumatischen Tag und kurz vor entscheidenden Wahlen geht es in Israel um die bittere Frage: ob und wie der Angriff mit mehr als 1.200 Toten hätte verhindert werden können.

Berichte, Premier Benjamin Netanjahu sei vor dem 7. Oktober aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten gewarnt worden, setzen ihn unter Druck. Er bestreitet sie. Amos Harel, Militärjournalist der israelischen Zeitung Haaretz, sagt:

Netanjahu war auf sich selbst konzentriert, auf seine Attacke gegen die Justiz, darauf, den Strafprozess gegen sich zu beenden.

Amos Harel, Militärjournalist

Er habe sich deshalb gerade nicht auf das Notwendige konzentriert, Israel auf einen möglichen Krieg mit Hamas und Hisbollah vorzubereiten.

Mit zunehmender Gewalt versuchen Siedler aus Israel, im Westjordanland Palästinenser zu vertreiben. Ein neues Siedlungsprojekt könnte nun einen Palästinenserstaat verhindern.

16.09.2026 | 6:06 min

Harel hat gerade ein Buch veröffentlicht über die Versäumnisse von Politik, Militär und Geheimdiensten. Er ist überzeugt, dass das Land eine staatliche Untersuchungskommission zur Aufarbeitung dringend brauche.

Israels Regierung verhindert Aufklärungskommission

"Das ist das Hauptproblem, mit dem die Israelis konfrontiert sind", sagt Harel. "Sie streiten sich und schreien sich gegenseitig an, wer dafür verantwortlich ist und inwieweit dies politische Auswirkungen hat." Vielleicht wegen eben dieser Auswirkungen hat Netanjahus Regierung diese Kommission bislang verhindert.

In Kfar Aza sind Familie und Freunde zusammengekommen. David Kazir kehrt zurück in den Kibbuz, wird hier beerdigt. Seine Frau Ayelet sagt:

Die Zeit heilt nicht. Der Schmerz wird nicht leichter. Er wird sogar noch schwerer.

Ayelet Kazir, Hinterbliebene

Aus Gaza ist an diesem Tag der Raketeneinschlag eines israelischen Angriffs zu hören. Ayelet Kazir sagt, sie habe gelernt, mit der Ungewissheit zu leben.

Thomas Reichart ist Leiter des ZDF-Auslandsstudios in Tel Aviv.

Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 07.10.2026 ab 05:30 Uhr.

View the original on ZDF heute →

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