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Wednesday, November 4, 2026

Lebenserwartung von Männern – Darum sterben Männer im Schnitt früher als Frauen

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Männer sterben früher als Frauen. In der Schweiz liegt ihre Lebenserwartung im Durchschnitt rund dreieinhalb Jahre tiefer, Männer sterben im Durchschnitt mit 82.4 Jahren, Frauen mit 85.9 Jahren. Drei neue Studien haben nun untersucht, welche Rolle dabei soziokulturelle Faktoren spielen: Etwa das Gesundheitsverhalten im Alltag oder die Tatsache, dass Männer seltener zur Ärztin oder zum Arzt gehen. Expertin Carolin Lerchenmüller ordnet die Resultate dieser Studien ein.

Carolin Lerchenmüller

Oberärztin an der Klinik für Kardiologie des USZ

Prof. Dr. med Carolin Lerchenmüller ist leitende Oberärztin an der Klinik für Kardiologie des Universitätsspitals Zürich. Ihre Spezielgebiete sind Gendermedizin, präventive Kardiologie und Herzinsuffizienz.

SRF News: Welcher Teil des Sterblichkeitsunterschieds hat medizinische Ursachen und welcher geht auf soziokulturelle Faktoren zurück?

Carolin Lerchenmüller: Das ist das Spannende an der Medizin, dass es häufig vielschichtig und auch etwas komplexer ist als nur das eine oder das andere. Ich glaube, die Lebenserwartung ist ein gutes Beispiel dafür, dass sowohl die Biologie als auch das soziokulturelle Umfeld eine wichtige Rolle spielen.

Die drei neuen Studien:

Und damit meinen wir alles drumherum, auch Arbeits-, Lebensbedingungen, Bildung, gesellschaftliche Erwartungen usw. und natürlich das individuelle Risiko, das man mitbringt. Wie wahrscheinlich ist es, dass ich rauche, trinke, ein schnelles Motorrad fahre?

Biologische Gegebenheiten sind nur ein Teil der Gründe?

Genau. Je nach Studie und je nachdem, wie man es betrachtet, kann man sich annähern. Es gab zum Beispiel eine sehr spannende Studie mit Mönchen und Nonnen. Da hat man geschaut, wie gross der Unterschied in der Sterblichkeit noch ist, wenn die Lebensbedingungen so ähnlich wie möglich sind. Da war immer noch ein relativ grosser Unterschied zu sehen, den man eher auf die Biologie zurückgeführt hat. In der Biologie geht es zum Beispiel darum, dass zwei X-Chromosomen scheinbar vor einigen Erkrankungen schützen, aber auch, dass Sexualhormone wie das Östrogen zum Beispiel vor bestimmten Erkrankungen schützen.

Fallschirmspringer am Himmel über zwei beobachtende Personen.
Legende: Warum Männer im Vergleich zu Frauen durchschnittlich früher sterben, ist Gegenstand diverser Forschungen. Keystone/Steffen Schmidt/Archiv

Im britischen Medizinjournal «The Lancet» wurden kürzlich drei Studien veröffentlicht, die sehr stark auf die sozialen Gründe der früheren Männersterblichkeit fokussieren. Ist das sinnvoll?

Das ist sehr sinnvoll und erweitert die Perspektive generell noch mal. Da geht es um soziale Benachteiligung, Armut, Wohnungslosigkeit, Inhaftierung usw. Aber es geht auch um die Frage, was die Rolle der Gesundheitspolitik ist. Hier braucht es bestimmte Massnahmen, um Männergesundheit zu fördern. Zum Beispiel, sie zu ermutigen, Präventionsmedizin in Anspruch zu nehmen, aber auch, um diese kommerziellen Einflüsse etwas zu steuern. Wird ein solches Risikoverhalten eigentlich in unserer Gesellschaft eher marginalisiert und als ganz natürlich angesehen?

Sobald man die Geschlechterebene mit einbezieht, kann man präziser und effektiver handeln.

Wie könnte man dem konkret begegnen?

Es geht darum, dass man sich fragt: Wie mache ich es Männern leichter, dass sie Präventivmedizin in Anspruch nehmen? Manchmal sind es einfache Sachen wie virtuelle Termine usw. Wir haben bei Männern zum Beispiel das Problem, dass die Depression relativ häufig vorkommt – bei Frauen ist sie aber noch häufiger. Wir gehen davon aus, dass Depression bei Männern sehr unterdiagnostiziert ist, weil zum Beispiel alle unsere diagnostischen und auch letztlich therapeutischen Massnahmen sehr auf Frauen zugeschnitten sind. Da lernen wir im Moment – übrigens sowohl biologisch als auch soziokulturell –, weshalb bei Männern eine Depression entsteht und wie man sie gegebenenfalls auch besser behandeln kann. Man sieht: Sobald man die Geschlechterebene mit einbezieht, kann man präziser und effektiver handeln.

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