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Tuesday, September 29, 2026

Ex-Chef der Finanzkontrolle weibelt jetzt für Drogenpilze

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Er ist ein Mann der Zahlen – und der deutlichen Worte: Michel Huissoud (69) war acht Jahre lang Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle. Jenem Aufsichtsorgan, das die Ausgaben des Bundes überprüft. Huissoud fühlte sich wohl als Kassenwart, der den Politikerinnen und Politikern auf die Finger klopfte.

Beliebt machte er sich dabei nicht. Etwa bei der Beschaffung der F-35-Kampfjets. 2022 warnte die Finanzkontrolle unter seiner Leitung: Beim Kaufvertrag bestehe kein Festpreis im schweizerischen Sinne. Die Warnung wurde nicht befolgt, die Kampfjets bestellt, und nun drohen der Schweiz hohe Mehrkosten.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

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Das Debakel um den vermeintlichen Fixpreis wird gerade aufgearbeitet. «Diese Diskussion darf noch nicht vorbei sein», sagt Michel Huissoud. In der «NZZ» kritisierte er kürzlich den damals beteiligten SVP-Nationalrat Werner Salzmann als «blinden Politiker».

Doch warum mischt sich Pensionär Huissoud nochmals ein? «Die Schweiz hat ein echtes Problem mit diesen Flugzeugen und riskiert, noch viele Jahre lang Milliarden am falschen Ort auszugeben», sagt er.

Meist jedoch widmet sich Huissoud, vier Jahre nach seiner Pensionierung, anderen Themen. Denn so gradlinig seine Karriere war – Jurastudium, Steuerverwaltung der Stadt Genf, 35 Jahre bei der Eidgenössischen Finanzkontrolle – so erstaunlich ist sein neustes Projekt: Der Zahlenmensch hantiert jetzt mit Pilzen.

Das neue Lebensthema

Murten im Kanton Freiburg. Die Böden der 500 Jahre alten Wohnung sind so schräg, dass eine Weinflasche von der Küche in die Stube rollen kann. Lebt hier ein schräger Vogel? «Mir ist schon klar, dass mich viele für einen Spinner halten werden», sagt Huissoud. «Man möchte mich in eine Schublade stecken, aber so einfach ist das nicht!»

So wirken «magische» Pilze

Die Wirkung «magischer» Pilze ist der Menschheit schon lange bekannt. Man vermutet, dass bereits die Azteken in Mexiko halluzinogene Pilze für ihre Rituale und als Rauschmittel verwendeten. 1957 isolierte der Schweizer Chemiker Albert Hofmann Psilocybin und Psilocin, die wirksamen Substanzen dieser Pilze. Hofmann entdeckte auch LSD, das ähnliche Rauschzustände und Halluzinationen hervorruft.

Seit den 1960er-Jahren gibt es synthetisches Psilocybin. Die Nachfrage steigt: 2021 wurden in der Schweiz 43 Bewilligungen für den Therapie-Einsatz von Psilocybin erteilt, 2024 waren es bereits 322.

Die Wirkung «magischer» Pilze ist der Menschheit schon lange bekannt. Man vermutet, dass bereits die Azteken in Mexiko halluzinogene Pilze für ihre Rituale und als Rauschmittel verwendeten. 1957 isolierte der Schweizer Chemiker Albert Hofmann Psilocybin und Psilocin, die wirksamen Substanzen dieser Pilze. Hofmann entdeckte auch LSD, das ähnliche Rauschzustände und Halluzinationen hervorruft.

Seit den 1960er-Jahren gibt es synthetisches Psilocybin. Die Nachfrage steigt: 2021 wurden in der Schweiz 43 Bewilligungen für den Therapie-Einsatz von Psilocybin erteilt, 2024 waren es bereits 322.

Huissoud wuchs in Genf auf. Alkohol probierte er erst mit 28 Jahren. «Mein geliebter Vater trank regelmässig», erzählt er. «Wahrscheinlich wollte ich dem Alkohol deshalb nicht zu nahe kommen.» Cannabis? «Nie.» Über ein Buch kommt er zum Thema der «psychedelischen Revolution». Huissoud stutzt: Psychoaktive Substanzen sind illegal, obwohl sie gemäss Studien weniger gefährlich und weniger süchtigmachend sind als Alkohol oder Tabak. Er gräbt sich ins Thema ein, liest Studien, spricht mit Ärzten.

Seine Neugier bringt den Pensionär auf den Drogentrip – Selbstversuche inklusive. Vor vier Jahren probierte er in einem «geschützten Rahmen» LSD. Der Trip dauerte zehn Stunden. «Alle Sinne schärfen sich. Die Zeitachse verschwimmt. Es war wunderschön», erzählt er. Und: «Am nächsten Tag fühlte ich mich fit. Einen Kater oder negative Folgen hatte ich nicht.» Auch bei Ecstasy und Pilzen – in den vergangenen Jahren mehrmals ausprobiert – sei er nie in ein Tief gefallen.

Was haben Huissouds Experimente mit dem Rest der Gesellschaft zu tun? «Viel!», findet er. Die «heilende Wirkung» von LSD und von psychoaktiven Pilzen sei unterdessen wissenschaftlich belegt. «Besonders bei Menschen mit Depressionen oder Angststörungen kann Psilocybin grosse Erfolge erzielen.» Psilocybin, das ist der psychoaktive Stoff, der in verschiedenen Pilzen vorkommt. Zum Beispiel im spitzkegeligen Kahlkopf, der in den Schweizer Bergen auf Schaf- oder Kuhweiden wächst. Der Wirkstoff kann auch synthetisch hergestellt und als Tablette eingenommen werden. Das geschieht in der Schweiz bereits, in psychiatrischen Kliniken zum Beispiel.

Das Klischee bestätigt?

Moment! Hat Huissoud eigentlich keine Angst, sich mit diesem Thema lächerlich zu machen? Von bürgerlichen Politikern wurde ihm immer wieder eine «politische Färbung» vorgeworfen – und nun bestätigt er das Klischee des linken Hippies? «Es ist weder politisch gefärbt noch lächerlich, sich dafür einzusetzen, dass depressive oder traumatisierte Menschen wieder gesund werden können», gibt er zurück.

Deshalb fährt er mit einem Bus und seinem leuchtenden Fliegenpilz in die Dörfer, parkiert vor Einkaufszentren und spricht mit den Menschen über dieses Thema. «Mich ärgert, dass man das volle Potenzial dieses Heilmittels nicht ausnutzen kann. Das ist doch dumm», sagt Huissoud. «Gemäss Betäubungsmittelgesetz sind diese Substanzen illegal. Deshalb braucht es für jeden Einsatz in einer Therapie extra eine Ausnahmebewilligung vom Bundesamt für Gesundheit.»

Huissoud findet, dass die Ärzte selbst die Verantwortung dafür übernehmen sollten, wann sie psychoaktive Substanzen einsetzen. Doch was, wenn es zu einem Horrortrip kommt? «Natürlich muss eine solche Sitzung therapeutisch begleitet sein. So kann man die Ursachen eines schlechten Trips verstehen und diese Erkenntnisse in den Heilungsprozess einbeziehen.»

Chancen für «magische Pilze»

Seit 2021 erlaubt das Bundesamt für Gesundheit die vereinzelte Anwendung von Psilocybin. Es wird Patienten mit Angststörungen, posttraumatischer Belastungsstörung oder Depressionen verschrieben – aber erst, wenn andere Methoden nicht fruchteten. «Antidepressiva sind nicht so effizient, wie man denkt», sagt Huissoud. «Und doch muss ein Patient heute erst einmal alles andere ausprobieren, bevor er eventuell irgendwann von Psilocybin profitieren kann.»

Für das Potenzial der «magischen Pilze» und ihre schmerzlindernde, euphorisierende Wirkung interessiert sich auch die Palliativmedizin. Selbst eine Chemotherapie sollen sie erträglicher machen. Laut einer neuen US-Studie kann Psilocybin das Absterben von Nervenenden verhindern, das vielen Kranken Schmerzen bereitet.

Gut möglich, dass sich die Gesetzeslage in der Schweiz irgendwann ändert und die «Pilzli» von der Hippie-Ecke in den normalen Apothekerschrank der Ärztinnen und Ärzte wandern. Bis es dazu kommt, fährt Michel Huissoud weiter mit Bus und Fliegenpilz durch die Schweiz. Im Frühling steht die nächste Tour an. «Es geht mir darum, dass die Wirkung dieser Heilmittel erkannt wird», sagt Huissoud. «Und das ist mir wichtiger, als wie ich selbst dabei wirken mag.»

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