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Monday, October 26, 2026

"Putin setzt auf Zeit" - und die Wahlen in Europa 2027

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Laut US-Präsident Trump hat Elon Musk den Zugang der Ukraine zum Satelliten-Netzwerk Starlink wiederhergestellt. Das Militär braucht ihn für Kommunikation und Drohnen im Krieg gegen Russland.

23.10.2026 | 0:25 min

ZDFheute: Welche Auswirkungen hatte die jüngste Unterbrechung von Starlink auf die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine?

Gerhard Mangott: Die Unterbrechung von Starlink hatte wesentlich negative Auswirkungen. Das ist zum einen der Umstand, dass die Ukraine dann mit ihren Mittelstreckenraketen den rückwärtigen Raum der russischen Front nicht mehr angreifen kann.

Das ist für die Verteidigung der Ukraine ein sehr schlechtes Zeichen.

Politikwissenschaftler Gerhard Mangott, Universität Innsbruck

Und zum zweiten ist es so, dass man damit die Abfangdrohnen gegen russische düsengetriebene Drohnen nicht mehr einsetzen kann. Das war ein Geschenk für die russische Seite.

Mangott: "NATO scheut Eskalationsgefahr"
Quelle: phoenix

Gerhard Mangott ist Professor für Politikwissenschaft an der Uni Innsbruck. Seine Schwerpunkte sind internationale Beziehungen und Sicherheit im postsowjetischen Raum.

ZDFheute: Im November könnte es Ukraine-Gespräche geben. Hat der russische Präsident Wladimir Putin überhaupt ein Interesse an einer Wiederaufnahme der Gespräche?

Mangott: Putin ist zurückhaltend, was die Wiederaufnahmen dieser Gespräche betrifft. Das Problem ist, dass es hier einen Grundwiderspruch gibt zwischen der ukrainischen und der russischen Position.

Russland zeigt sich bereit, am 10. November Gespräche mit den USA und der Ukraine aufzunehmen. Gleichzeitig setzen die USA die Ukraine massiv unter Druck.

21.10.2026 | 2:03 min

Die Ukraine möchte eine sofortige Waffenruhe und dann Verhandlungen über die offenen Fragen. Und bei Russland ist es genau umgekehrt. Und solange man sich bei der Sequenzierung dieser beiden Dinge nicht einig ist, werden auch trilaterale Gespräche keinen Erfolg bringen.

Putin setzt auf Zeit. Er denkt daran, dass es für die europäischen Gesellschaften immer schwieriger wird, diese Waffen- und Finanzhilfe an die Ukraine zu finanzieren.

Für die EU stellt sich die Frage, wie man die geforderten 70 Milliarden Euro für die Ukraine im kommenden Jahr aufbringen kann.

Politikwissenschaftler Gerhard Mangott, Universität Innsbruck

Und die russische Seite setzt auch darauf, dass es bei den Parlamentswahlen und den Präsidentenwahlen, die nächstes Jahr in Europa stattfinden, einen deutlichen Rechtsruck gibt und dass man beispielsweise in Frankreich mit der Unterstützung der Ukraine vollständig aufhört, wenn Marine Le Pen die Präsidentenwahlen gewinnen sollte.

ZDF-Korrespondent Felix Klauser berichtet aus Moskau über die Vorschläge des US-Sondergesandten Witkoff für ein mögliches Ende des Ukraine-Krieges.

21.10.2026 | 0:59 min

ZDFheute: Setzt Putin bewusst auf Angriffe auf zivile Infrastruktur?

Mangott: Die Luftangriffe zielen darauf, die ukrainische Wirtschaft zu zerstören und damit auch den Widerstandswillen in der Bevölkerung zu brechen, wenn Strom, Wärme und Wasser ausbleiben. Er hofft darauf, dass es nicht nur Binnenflüchtlinge daraufhin geben wird, sondern auch Flüchtlinge nach Europa, was dort die Debatte über die Unterstützung der Ukraine noch einmal verschärft.

Berlin direkt mit Daniel Pontzen
Quelle: ZDF

Bröckelt die Ukraine-Unterstützung des Westens? Mehr zu diesem Thema gibt es ab 19:10 Uhr bei Berlin direkt.

Gesprächsgast zur Lage der Grünen wegen einer möglichen Koalition mit der Linken und der SPD in Berlin ist Grünen-Chef Felix Banaszak. Moderiert wird die Sendung von Daniel Pontzen.

ZDFheute: Wie groß ist angesichts der hohen russischen Verluste der Druck innerhalb der Gesellschaft, den Krieg zu beenden?

Mangott: Putin steht weder von Seiten der Bevölkerung unter Druck noch von Seiten der Elite. Er hat ein territoriales Minimalziel und das ist die Übergabe des gesamten Donbass an die russische Seite.

Aber die russischen Forderungen gehen weit darüber hinaus, nämlich ein Verzicht auf die Nato-Mitgliedschaft, keine westlichen Truppen auf ukrainischem Territorium.

Ich denke, bis zum Frühjahr wird dieser Krieg jedenfalls geführt werden, denn Russland wird den Winter nutzen, um die Wirtschaft weiter zu schädigen.

Politikwissenschaftler Gerhard Mangott, Universität Innsbruck

Und wenn Putin das nicht erreicht, wird er auch nicht aufhören. Daher ist nicht davon auszugehen, dass wir bei den im November wieder angesetzten trilateralen Gesprächen Fortschritte sehen werden.

AfD und BSW haben im neuen Landtag von Sachsen-Anhalt erstmals einen Antrag durchgesetzt. Sie wollen jegliche Ukraine-Hilfen und Russland-Sanktionen stoppen. Es gibt heftige Kritik.

14.10.2026 | 2:39 min

ZDFheute: Wie steht es um die Widerstandsfähigkeit innerhalb der Ukraine?

Mangott: Die Kriegsmüdigkeit in der Ukraine steigt, allerdings ist der Widerstandswille noch immer mehrheitsfähig und die Unterstützung für Präsident Wolodymyr Selenskyj als Kriegspräsident ist noch immer hoch. Sie liegt aktuell bei 55 Prozent. Auf das Einbrechen des Widerstandswillens kann Putin derzeit noch nicht setzen, aber das kann sich ändern.

Das Gespräch führte Andreas Huppert, schriftliche Fassung Jan Henrich.

Über dieses Thema berichtete das ZDF am 21.10.2026 ab 19:00 Uhr.

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