Was E-Autofahrer von Joya erwarten dürfen

In der E-Auto-Branche gibt eine neue Marke mächtig Gas: Die drei Ladestationen-Anbieter Gofast, Swisscharge und Move schliessen sich zusammen und treten fortan unter dem Namen Joya auf. Damit entsteht unter der neuen Marke der grösste E-Mobilitätsanbieter der Schweiz. Ein Medienanlass ist für Donnerstag anberaumt.
In Zahlen: Insgesamt 25'000 Ladepunkte – davon 7500 öffentlich für jeden zugänglich – und 300'000 registrierte Nutzerinnen und Nutzer umfasst der Branchenriese neu. Die nichtöffentlichen Ladepunkte stehen bei Privatkunden oder auf Betriebsgeländen.
«Mit diesem Schritt möchten wir die E-Mobilität einfacher machen», erklärt Joya-Chef Reto Baschera (45) den Entscheid zum Zusammenschluss. Statt mehrerer Apps, intransparenter Preise und verschiedener Abo-Modelle gebe es für die Kunden neu alles aus einer Hand. Die ersten Ladestandorte treten bereits unter der neuen Marke auf. Der Rest folge in den nächsten Monaten.
Die drei zusammengeschlossenen Marken gehörten bereits zuvor dem Energiekonzern Energie 360 Grad. Bisher traten die Anbieter Gofast, Swisscharge und Move aber jeweils unter ihrem eigenen Namen auf. Mit der neuen Super-Marke baut der Energiekonzern nun seine schweizweite Führungsposition in der Branche aus und lässt mit seinen 7500 öffentlichen Ladepunkten die anderen grossen Anbieter hinter sich.
Zum Vergleich: Die Migros-Tochter Migrol hat im September ihren tausendsten Ladepunkt eröffnet. Und auch bei den Schnellladestationen hat Joya – noch vor Tesla – schweizweit die Nase vorn.
Kritik von der Konkurrenz
Doch es regt sich auch Kritik am Energiekonzern. Energie 360 Grad gehört zu 96 Prozent der Stadt Zürich – und damit der öffentlichen Hand. Dass die Stadt als Hauptaktionärin mit dem Ladestationen-Geschäft Geld verdient, kommt nicht überall gut an.
Zuletzt musste sich das Unternehmen den Vorwurf gefallen lassen, einen Wettbewerbsvorteil zu haben. Die Konkurrenten beklagen, dass die Stadt als Eigentümerin gleichzeitig auch die Infrastruktur stelle und je nach Standort sogar für die Vergabe und Bewilligung der Ladeplätze zuständig sei.
Dem widerspricht der Konzern: Man stehe im direkten Wettbewerb mit privaten Anbietern und erhalte aufgrund der Eigentümerin keinen bevorzugten Zugang zu Aufträgen am Markt, sagt Energie-360-Grad-Sprecher Michael Walser zu Blick. Die Stadt Zürich biete zwar Stabilität und eine langfristige Perspektive für Innovationen. Die Projekte gewinne das Unternehmen aber mit seinen wettbewerbsfähigen Angeboten.
Ärger könnte es auch an der Markenfront geben. Bekannt war der Name Joya bisher als Schweizer Schuhmarke. Dass es zum Streit mit dem zu Kybun gehörenden Unternehmen kommen könnte, glaubt Mediensprecher Walser aber nicht. Man habe die Markenrechte vorab geklärt. Ausserdem sollte es keine Verwechslungen geben, da die beiden Unternehmen in unterschiedlichen Branchen tätig seien. «Wichtig war uns bei der Suche, dass wir einen Markennamen finden, der in allen vier Landessprachen funktioniert», so Walser.
Weiteres Wachstum geplant
Die Nummer 1 zu sein, reicht Joya-Chef Baschera aber nicht: «Wir werden unsere Position im Schweizer E-Mobilitätsmarkt nicht nur halten, sondern gezielt ausbauen.» Dafür wolle man bis im Jahr 2030 rund 150 Millionen Franken in den Ausbau des nationalen Ladenetzes investieren.
Der Schritt kommt zu einem günstigen Zeitpunkt. Nach dem Diesel-Schock im September hat die Elektroauto-Branche zurzeit Rückenwind. Der Frust an den Zapfsäulen führte in den letzten Wochen zu einem Nachfrage-Boom bei Elektroautos.
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