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Friday, November 6, 2026

Album und Tour von Die Verlierer: Nichts funktioniert mehr

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Punker mit Hang zu Balladen: Der Berliner Fünfer Die Verlierer lässt auf seinem neuen Album „Ideale“ nichts anbrennen. Das klappt nicht immer.

Hilka Dirks

Oft ist „spannend“ verlässlicher Marker für das exakte Gegenteil. Bedeutungsheischend drückt es sich als Adjektiv in Klassenbesprechungen an Kunsthochschulen, Serientrailer im Öffentlich-Rechtlichen und Pressemitteilungen diverser Kulturprodukte. So auch geschehen im begleitenden Waschzettel des neusten Albums der Berliner Punker von Die Verlierer, die sich „seit ihrem Debüt 2022 (…) in kürzester Zeit zu einem der spannendsten deutschsprachigen Post-Punk-Acts entwickelt“ haben. „Ideale“ heißt das frisch erschienene dritte Album und dreht sich, so weiter im Text, um „eine Gegenwart, in der Krieg, Gier und Macht immer präsenter werden“. Soweit, so Promo.

Eine plirrende Gitarrensaite eröffnet das Album mit dem Titelsong, gut vibrierende Effekte verzerren den Ton – und dann ist da plötzlich dieses Indie-Gitarren-Riff, schnell und schrill, wie aus einem Arctic-Monkeys-Song der Nullerjahre geschnitten. Es erklingt die Stimme Hannes Berwigs: Der Verlierer-Frontmann ist auch Bildender Künstler und als Artdirektor verantwortlich für den streng in schwarzweiß gehaltenen Auftritt der Band.

„Besetze einen Körper/Infiltriere einen klaren Geist/Es steckt tief in dir drinne/Und es frisst dich auf wie Aas/Es fängt ganz langsam an/sodass du nichts merkst/Du hast dich verändert/Dein Lächeln ausgemerzt“ intoniert er Verlierer-typisch stumpf ins Mikro und setzt damit auch inhaltlich den Ton fürs neue Album, dessen Songs voll von begrenzenden Gefäßen sind. Es sind Körper, Käfige und Kisten, die da einengen und bedrängen, oder, wie in dem wirklich toll stoischen Track „Waise“, gleich das ganze weltliche Leben unter dem bewölkten Himmel.

Die Verlierer Album-Tour

Die Verlierer: „Ideale“ (Bretford Records); live 6.11. 2026 „Astra“ Berlin, 10.11. 2026 „Uebel & Gefährlich“ Hamburg, 11.11. 2026 „Junkyard“ Dortmund, wird fortgesetzt

Alles verfällt

Als zweites großes Thema ertönt auch sogleich der Verfall. Den der eigenen Moral, des Charakters und der Welt, und vielleicht steckt darin sogar ein bisschen Selbstkritik, sind doch Die Verlierer, die im letzten Jahr beim Berlin-Konzert als Vorband des großen Iggy Pop auftreten durften (der mittlerweile selbst Werbung für den Champagner von Dom Pérignon macht), mit ihrem dritten Album endgültig an der komplizierten Weggabelung zwischen Underground und Mainstream angelangt.

Während die erste Auskopplung gerade richtig gelangweilt heruntergespielt daherkam, klingt „Ideale“ nach guter Produktion und radiotauglichen Melodien mit akkuraten Gitarrenriffs („Käfig“) und eingängigen, streberhaft politischen Refrains („Dreckiges Geld/ist schnell verdient/wenn der Tod durch die Städte zieht“ aus „Eiszeit“).

Komplexe Zusammenhänge unterkomplex darzustellen, kann eine große Stärke sein, und auch platte Liebeslieder haben im Genre eine gewisse Tradition. Schon das zweite Album „Notausgang“ erschien deutlich balladesker als man es von den Berlinern erwartet hatte, funktionierte jedoch mit überraschend schmerzhaften Bildern wie in „Stacheldraht“ erstaunlich gut.

In der Singleauskopplung „Bomben“, beginnend mit einem vielversprechenden Bass, wird diese Tradition fortgeführt. Aber irgendwas funktioniert nicht mehr. Die Metaphern, wenn „auf den Scherben der Demokratie“ getanzt werden soll, sind zu platt, die unreinen Reime („Hoffnung“ auf „Tropfen“) teils gut gesetzt, werden dann aber ihrer schön schräg gewählten Form im vorausschaubaren Inhalt nicht eingelöst.

Eher Bestandsaufnahme des Zögerns einer Band zwischen Lust auf Erfolg und Scheißegalhaltung, ist „Ideale“ ironischerweise weder Verrat noch Gegenkultur. Auch wenn letztere an manchen Stellen doch rotzglänzend durchschimmert, wenn es in „Plakat“ heißt: „Nimm dein Leben/In die Hand/Doch ich weiß es nicht/Was es sein soll“. Und wie das weitergehen könnte, ist dann tatsächlich – auch musikalisch – ein bisschen spannend.

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